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Zurück zur Quelle der Offenbarung

„Sola Scriptura“, einzig die Schrift, ist einer der wichtigsten Leitsätze der Reformation. Denn mit diesem Imperativ wollten die Reformatoren die Bibel dem Volk zurückgeben. So war Luther überzeugt, dass sich die Heilige Schrift von selbst auslegt und nicht der Vermittlung durch die kirchliche Tradition bedarf. Damit rückte er das Buch der Bücher wieder ins Zentrum des Glaubens: Die Bibel sollte wieder als einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens gelten. An diesen Aufbruch zu einer Selbstermächtigung des Subjekts, das seinen eigenen Zugang zur Heilsbotschaft der Bibel finden soll, statt dogmatischen Autoritäten zu folgen, möchte die zweite Frankfurter „Nacht der Bibel“ im Lutherjahr anknüpfen, die der Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität in Kooperation mit der evangelischen Kirche Frankfurt und dieser Stiftung am 30. Mai in der Heiliggeistkirche veranstalten wird. Bereits 2014 hatte es eine „Nacht der Bibel“ gegeben, Anlass war damals das Jubiläum zum 100jährigen Bestehen der Goethe-Universität. Dieses Mal werden die Schauspieler Barbara Auer und Peter Lohmeyer im Wechsel verschiedene Abschnitte, Geschichten und Erzählungen aus dem Alten und dem Neuen Testament vortragen, und zwar in verschiedenen Übersetzungen, von Luther bis zu Buber/Rosenzweig, um die sprachliche Vielfalt, zu der diese Jahrtausende alten Texte im Lauf der Geschichte inspiriert haben, erlebbar zu machen. Stefan Alkier, Theologie-Professor am Fachbereich und Organisator der Bibelnacht, hat außerdem eigene Kommentierungen und Reflexionen zu diesen Passagen formuliert. Sie dienen als Übergang und Bindeglied und werden, wie bereits vor drei Jahren, von Peter Schröder, Ensemblemitglied des Schauspiel Frankfurt, vorgelesen. So soll sich dem Zuhörer der Zusammenhang der biblischen Bücher des Alten und Neuen Testaments als einer großen Erzählung erschließen. Musikalisch eingerahmt wird die Lesung von der Band „Echoes of Scripture“. Eine spannende Reise durch die Nacht und die Wiederbegegnung mit einem Text, der seit Jahrtausenden immer wieder Menschen zu intellektueller oder künstlerischen Auseinandersetzung inspiriert hat.

Geld und Glauben
„Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott“ – unter diesem Lutherwort steht im Jahr des Reformationsjubiläums eine Ausstellung und Werkstattreihe in der Matthäuskirche zum Thema „Geld der Zukunft“. Die Kuratoren Ottmar Gendera und Hajo Köhn wollen in der Reihe “Matthäus macht Programm” in Zusammenarbeit mit der “Initiative Neue Geldordnung” die unweit der Frankfurter Messe gelegene Matthäuskirche der Evangelischen Hoffnungsgemeinde in ein “temporäres Zukunftslabor” verwandeln. Ausgangsthese dieses auf drei Jahre angelegten Projektes ist die Annahme, dass wir derzeit eine ähnliche Zeitenwende durchlaufen, wie sie vor rund 500 Jahren Luther und seine Zeitgenossen erlebten. Was Luther damals antrieb, war ja unter anderem auch die Käuflichkeit der Gnade, wie sie sich im so genannten „Ablasshandel“ offenbarte. Wer zahlte, dem wurde(n) seine Schuld(en) vergeben. Dem setzt Luther einen gnädigen Gott gegenüber, der jeden Menschen annimmt, ihn in seiner Liebe „entsühnt“. Dieses auf Gleichheit und Gerechtigkeit basierende Verhältnis des Menschen zu Gott und Christus ist grundlegend für die Reformation. Wie lässt sich diese Umwälzung einer auf Ungerechtigkeit basierenden Ordnung in unsere Gegenwart übertragen? Gibt es Alternativen zu dieser Finanzwelt, die wenige immer reicher macht und viele immer ärmer? Welche Botschaft hätte Luther für die Welt des Geldes heute? Um diese Fragen soll es in der Reihe gehen; zunächst in Form von vier thematisch gegliederten Werkstattabenden. Diese Gesprächsforen werden ergänzt durch eine Basisausstellung, die grundsätzliche Fragen zum Thema Kapitalismus und Finanzmärkte aufgreift und verschiedene Modelle einer möglichen Geldreform erläutert. Für das kommende Jahr ist außerdem eine wissenschaftliche Veranstaltungsreihe geplant. Das nächste Werkstattgespräch findet am Freitag, dem 30. Juni, 19 Uhr, statt. Titel: „Kredit und Zinsen – Wie Glaube Geld und Berge versetzen kann“.
Im Glashaus
Die EKHN Stiftung wechselt ihre Adresse: Ab dem 1. Juli 2017 wird die Geschäftsführung der Stiftung unter dem Dach der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römer beheimatet sein. Das neue Domizil bietet vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung mit der Infrastruktur und den Aktivitäten vor Ort, ist Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung, überzeugt. Die neue Anschrift lautet also: EKHN Stiftung, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main (unsere Abbildung von Norbert Miguletz zeigt das neue Tagungshaus der Akademie im Herzen der Frankfurter Innenstadt).
Bitterer Kelch der Geschichte
„Auf dass, wer solche Tränen künftig sehe, dazu nicht schweige…“ Diese Mahnung – sie findet sich als Bildunterschrift auf einem Kirchenfenster in der Frankfurter Lukaskirche – führt auf die Spur der Lebensgeschichte des Ehepaares Georg und Marie Kalischer. Marie Kalischer hatte dieses Fenster 1953 für die Sakristei der Lukaskirche gestiftet. Das Bild zeigt einen Kelch (lat.= calix, Anklang an den Namen Kalischer) und soll auf diese Weise daran erinnern, dass zum Christentum konvertierte Juden 1942 vom Abendmahl ausgeschlossen wurden. Auch ihr Mann, der 1873 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, war zum französisch-reformieren Bekenntnis übergetreten. Der erfolgreiche Chemiker hatte Jahre lang als Direktor das Hauptlabor von Bayer-Leverkusen geleitet und war maßgeblich an der Weiterentwicklung der Forschung auf dem Gebiet der Farbstoffe beteiligt. Am 12. November 1938 wurde er, wie Tausende andere Frankfurter Juden, im Zuge der Reichspogromnacht verhaftet und nach Buchenwald deportiert. Am 1. Dezember, drei Tage nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager, starb er an den Folgen der Haft. Seine Witwe Marie wurde in den folgenden Jahren quasi enteignet. Erst 1955 gelang es ihr, die Anerkennung ihres Mannes als NS-Opfer gerichtlich durchzusetzen. Mit dem rückerstatteten Vermögen gründetet sie eine Stiftung, die mehrere caritativen Einrichtungen unterstützte. Das Mahnmal – gestaltet aus Glas vom Künstleraduo Siebrecht && Pempeit (Iserlohn) – soll nicht allein an das den Eheleuten Kalischer zugefügte Unrecht, sondern an alle Opfer des Novemberpogroms von 1938 im Stadtteil Sachsenhausen erinnern. Es wurde am 11. Juni 2017 auf dem Südfriedhof in Frankfurt-Sachenhausen, eingeweiht. (Unsere Abbildung zeigt eine Studie aus den Vorarbeiten zu der Skulptur)
Sommerakademie geht auf Sendung
Kaum ein Berufsbild hat sich in den vergangenen Jahren so gewandelt wie der Journalismus. Wer heute in der Medienbranche arbeiten will, muss häufig unterschiedliche Kanäle der Informationsvermittlung gleichzeitig bespielen, muss Texte schreiben, twittern, Videos produzieren, Interviews führen und moderieren können und am besten noch digitale Schnittprogramme beherrschen. Die klassischen Tugenden des Reporters: saubere Recherche und eine ebenso wahre wie klare Berichterstattung werden ohnehin als selbstverständlich vorausgesetzt. Für junge Menschen, die sich von diesen hohen Anforderungen nicht abgeschreckt, sondern mächtig angezogen fühlen, bietet die Hörfunkschule Frankfurt ein vielseitiges und hochprofessionelles Training an. Mit ihrer Sommerakademie gibt sie in jedem Jahr jungen Journalisten die Chance, alle Facetten einer multimedialen Redaktion kennenzulernen. Während zwei Wochen können sich die Teilnehmer als Radiomoderator und Reporter, als Videojournalist, Online-Redakteur oder Social-Media-Manager ausprobieren und auf diese Weise authentische Einblicke in die multimediale Welt des Journalismus gewinnen. Vier Workshops in den Monaten Januar bis Juni bereiten die jungen Medienmacher vorher auf die Sommerakademie vor, damit in diesen zwei Wochen der Redaktionsalltag professionell und möglichst reibungslose ablaufen kann. Die Sommerakademie ist ein Projekt der Evangelischen Publizistik. Das bedeutet: Die Teilnehmer sollen nicht nur das journalistische Handwerk lernen, sondern auch verstehen, welche ethische Verantwortung mit diesem Beruf verbunden ist: im Verhältnis zu den Mächtigen, aber auch gegenüber den Schwächeren in der Gesellschaft. Dieses Angebot richtet sich an Schüler und Studenten, die nicht jünger als 16 Jahre alt sein dürfen. Die Teilnahme (inklusive der Workshops) kostet 200 Euro.
Porträt der ersten Protestantinnen
Im Jubiläumsjahr der Reformation soll die Ausstellung „Frauen der Reformation – Spuren und Thesen“ in der evangelischen Sankt Cyriakuskirche in Frankfurt-Rödelheim auf die Frauen aufmerksam machen, die einen nicht geringen Anteil am Erfolg und an der Gestaltung der Reformation hatten. Während sich jetzt das Augenmerk in der Öffentlichkeit fast ausschließlich auf Martin Luther und seinen Thesenanschlag konzentriert, möchte diese Dokumentation die vielen interessanten weiblichen Persönlichkeiten vorstellen, deren Beitrag zur geistigen Vorbereitung der Reformation keinesfalls unterschätzt werden darf. Da ist zum Beispiel Elisabeth Cruciger (1500 bis 1535). Sie gehörte zum Freundeskreis Luthers und ist als erste Frau, die Kirchenlieder für das evangelische Gesangsbuch schrieb, in die Geschichte eingegangen. Ihre Tochter Elisabeth heiratete übrigens später Luthers Sohn Hans. Die ehemalige Nonne Ursula von Münsterberg verfasste eine ausführliche und kluge Verteidigungsschrift, in der sie darlegte, weshalb es für sie notwendig war, das Kloster zu verlassen. Das Vorwort zu diesem Text verfasste Martin Luther. Und natürlich widmet sich diese Ausstellung auch der Ehefrau Luthers, Katharina Bora, wichtiges Gegenüber und intellektuelles Korrektiv für den Reformator, da sie ihm den notwendigen Realitätssinn verlieh, um seine Theologie menschennah zu formulieren. Die Angelegenheiten des Alltags und das Familienleben bei Luthers sind daher ein weiterer Bestandteil der Ausstellung. Bis zum Tag des Reformationsjubiläums, dem 31. Oktober 2017, wird die Ausstellung gezeigt, Besichtigung nach Vereinbarung unter Telefon 069 788643, E-Mail elke.gutberlet@t-online.de. Sankt Cyriakuskirche, Auf der Insel 5, 60489 Frankfurt. (Unsere Abbildung zeigt ein Porträt Katharina Luthers).
Mehrwert Menschlichkeit
„Bildung!“ – unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Deutsche Stiftungstag, Europas größter Stiftungskongress. Zirka 1400 Teilnehmer waren Mitte Mai der Einladung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen nach Osnabrück gefolgt, um sich drei Tage lang in 100 Veranstaltungen zu informieren, zu lernen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Gabriele Quandt und Florian Langenscheidt wurden als Gründungsstifter der Stiftung "Children" (München) mit dem diesjährigen Stiftungspreis ausgezeichnet.
Kunst der Gnade, Gnade der Kunst
„Kunst und Kirche sind geistesverwandt“, ist Kirchenpräsident Volker Jung überzeugt. „Beide suchen nach Sinn und beide versuchen, Grenzen des Verstehens zu überschreiten.“ Um den Dialog zwischen evangelischer Kirche und Bildender Kunst zu unterstützen, hat die EKHN zum 500. Jahrestag der Reformation das Projekt „kunstinitiative 2017“ ins Leben gerufen. 20 Künstler waren im vergangenen Jahr eingeladen, sich in einem Wettbewerb um den Preis der Initiative zu bewerben. Dessen Thema „Gnade“ sollte sie auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Kirchenraum als einem Freiraum zur ästhetischen Gestaltung anregen. Am Ende hat das hochkarätig besetzte Kuratorium, zu dem Kunstschaffende und Kunstlehrende verschiedener Hochschulen zählten, drei junge Künstler ausgezeichnet: Daniela Kneip Valescu, Georg Lutz und Lisa Weber. Alle drei sind derzeit damit beschäftigt, in je einer Darmstädter Kirche ihre Kunstobjekte zu installieren. Während Daniela Kneip Valescu sich dazu entschieden hat, inner- und außerhalb der Michaelskirche mit textilen Materialien zu arbeiten, wird Georg Lutz in der Martinskirche seine großen Gefäße aufstellen. Lisa Weber hingegen arbeitet an einer Videoinstallation für die Stadtkirche, zu der sie durch eine Erzählung von Ingeborg Bachmann inspiriert wurde. Die Vernissage für die Präsentation der drei Preisträger und ihrer Arbeiten findet am 30. April 2017,10 Uhr, im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Martinskirche statt, an dem auch Kirchenpräsident Jung teilnehmen wird. Bis zum Juni wird die Kunstinitiative eine Reihe von Vorträgen, Konzerten, Künstlergesprächen und Gottesdienste als Rahmenprogramm zur Ergänzung der Ausstellung veranstalten. Die drei Kirchen liegen nicht weit auseinander und sind in den folgenden Monaten auch während der Woche täglich für mehrere Stunden geöffnet, damit die Kunstwerke besichtigt werden können.
Frankfurt feiert Reformation
Am Pfingstmontag, dem 5. Juni, feiert Frankfurt mit einem großen Fest auf dem Römerberg den Thesenanschlag Martin Luthers vor 500 Jahren. Das Fest beginnt um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Darüber, „warum Juden, Christen und Muslime zu unserer Gesellschaft gehören“, werden dann um 15.30 Uhr Kirchenpräsident Volker Jung, Jacob Gutmark, der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, und Verena Ben Neticha vom Kompetenzzentrum muslimischer Frauen e.V., diskutieren. Das Motto dieser Veranstaltung: „Verschieden leben – zusammen leben“. Musikalisch umrahmt wird dieses Gespräch von dem Frankfurter „Ensemble Hope“, das aus der Initiative „Bridges – Musik verbindet“ hervorgegangen ist. Die sechs Musiker des Ensembles haben sich auf persische und afghanische Musik mit europäischen Einflüssen spezialisiert.
Zurück zur Quelle der Offenbarung
„Sola Scriptura“, einzig die Schrift, ist einer der wichtigsten Leitsätze der Reformation. Denn mit diesem Imperativ wollten die Reformatoren die Bibel dem Volk zurückgeben. So war Luther überzeugt, dass sich die Heilige Schrift von selbst auslegt und nicht der Vermittlung durch die kirchliche Tradition bedarf. Damit rückte er das Buch der Bücher wieder ins Zentrum des Glaubens: Die Bibel sollte wieder als einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens gelten. An diesen Aufbruch zu einer Selbstermächtigung des Subjekts, das seinen eigenen Zugang zur Heilsbotschaft der Bibel finden soll, statt dogmatischen Autoritäten zu folgen, möchte die zweite Frankfurter „Nacht der Bibel“ im Lutherjahr anknüpfen, die der Fachbereich Evangelische Theologie der Goethe-Universität in Kooperation mit der evangelischen Kirche Frankfurt und dieser Stiftung am 30. Mai in der Heiliggeistkirche veranstalten wird. Bereits 2014 hatte es eine „Nacht der Bibel“ gegeben, Anlass war damals das Jubiläum zum 100jährigen Bestehen der Goethe-Universität. Dieses Mal werden die Schauspieler Barbara Auer und Peter Lohmeyer im Wechsel verschiedene Abschnitte, Geschichten und Erzählungen aus dem Alten und dem Neuen Testament vortragen, und zwar in verschiedenen Übersetzungen, von Luther bis zu Buber/Rosenzweig, um die sprachliche Vielfalt, zu der diese Jahrtausende alten Texte im Lauf der Geschichte inspiriert haben, erlebbar zu machen. Stefan Alkier, Theologie-Professor am Fachbereich und Organisator der Bibelnacht, hat außerdem eigene Kommentierungen und Reflexionen zu diesen Passagen formuliert. Sie dienen als Übergang und Bindeglied und werden, wie bereits vor drei Jahren, von Peter Schröder, Ensemblemitglied des Schauspiel Frankfurt, vorgelesen. So soll sich dem Zuhörer der Zusammenhang der biblischen Bücher des Alten und Neuen Testaments als einer großen Erzählung erschließen. Musikalisch eingerahmt wird die Lesung von der Band „Echoes of Scripture“. Eine spannende Reise durch die Nacht und die Wiederbegegnung mit einem Text, der seit Jahrtausenden immer wieder Menschen zu intellektueller oder künstlerischen Auseinandersetzung inspiriert hat.
Tanz den Luther!
Reformation bedeutet Neuordnung, Veränderung. Daher verlässt das Evangelische Dekanat Wiesbaden 2017, zum 500. Jahrestag der Reformation, seine vertrauten und altbewährten Wege, Bahnen und Gebäude und wagt Neues. Zum Beispiel in Form einer intensiven Kooperation mit dem Staatstheater Mainz. Unter dem Namen „Kirche trifft Theater – Theater trifft Kirche“ haben beide Institutionen gemeinsam eine vielfältige Veranstaltungsreihe entwickelt, in deren Zentrum Luther und die von ihm in Gang gesetzte Umwälzung der bestehenden Verhältnisse stehen. Zu den Projekten, die aus dieser Zusammenarbeit erwachsen sind, zählen unter anderem eine Neuinszenierung von Lessings Drama „Nathan der Weise“, die Aufführung der Oper „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith, eine Einstudierung des Jugendtheaterstücks „Anders“ von Andreas Steinhöfel sowie die Tanzinszenierung „Shift“ mit dem Ensemble tanzmainz unter Leitung des Choreographen Rui Horta (siehe Foto). Einen weiteren Schwerpunkt in diesem Jahr bildet die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche und die auf verschiedenen Wegen gewagte Annäherung an die Frage, was beide christlichen Konfessionen trennt und was sie verbinde - insgesamt ein umfangreiches Programm des evangelischen Dekanats der Lutherstadt als Beitrag zum Reformationsjubiläum in diesem Jahr.
Goethes Gesichter
Sie wollen zeigen, dass ihre Uni ein Ort der Vielfalt, des Dialogs und der Toleranz ist. Deshalb haben sich rund 40 Studierende aus der evangelischen, katholischen und islamischen Studierendengemeinde an der Frankfurter Goethe-Universität zusammengetan und das „Café Abraham“ gegründet, wohin sie regelmäßig zum „Interreligiösen Chillen“ einladen. Zweimal bereits hat das Café auf dem Unicampus Westend seine Zelte aufgeschlagen, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. So wie sich der Stammvater aller drei monotheistischen Religionen einst auf den Weg ins gelobte Land Kanaan machte, so ist auch das nach ihm benannte Café kein fester Ort, sondern ein Provisorium aus Zeltplanen, Kissen und Liegestühlen, das überall auftauchen und auch wieder verschwinden kann. Dieses Provisorium erinnert gleichzeitig an das Schicksal der vielen Flüchtlinge weltweit. Auch sie befinden sich auf einer Reise mit ungewissem Ziel und Ausgang und haben alles, was einst ihr Zuhause ausmachte, hinter sich zurücklassen müssen. Als Antwort auf Hass, Gewalt und Intoleranz wollen die Initiatoren des Café Abraham nun ein weiteres Zeichen der Vielfalt und des friedlichen Miteinanders setzen. Inspiriert durch den US-amerikanischen Fotokünstler Brandon Stanton und dessen Porträtreihe „Humans of New York“ haben sie in den vergangenen Monaten Studierende und Mitarbeiter der Goethe-Universität fotografiert, die in der Wanderausstellung „Humans of Goethe“ präsentiert werden – als die Gesichter von Persönlichkeiten, die die Hochschule zu einem vielseitigen Ort des Lernens, Lebens und Arbeitens machen. Wer mitmachen wollte, konnte sich über eine Facebook-Adresse bei den jungen Fotografen melden. Auf diesem Wege sollen Studierende dazu herausgefordert werden, sich in der Begegnung mit Anderen über ihr eigenes Selbstverständnis und Selbstbild klar zu werden und sich mit fremden Lebensentwürfen auseinanderzusetzen. Die Vernissage der Ausstellung „Humans of Goethe“ im Foyer des IG Farben Hauses, Norbert-Wollheim-Platz, 60323 Frankfurt, fand am 10. Mai 2017 statt.
Das Schicksal ist ein Kreisel
Er ist ein Symbol des Zufalls und Glücks, wie der Würfel: Während des achttägigen Lichterfestes („Chanukka“) spielen jüdische Kinder mit dem „Dreidel“, einem kleinen Kreisel, auf dessen vier Flächen vier hebräische Buchstaben angebracht sind, die jeweils als Anfangsbuchstaben für die vier Wörter des Satzes: „Großes Wunder geschah dort“ stehen. Gemeint ist damit das unerklärliche Phänomen, dass nach dem Sieg der Makkabäer über die Griechen der große siebenarmige Leuchter im Tempel acht Tage lang mit nur einem kleinen Tropfen Öl am Brennen gehalten wurde, bis endlich neues Öl in Jerusalem eintraf. Blindes Würfelspiel des Schicksals: Auch das Überleben während der Schoah verdankte sich oft genug dem Zufall oder dem kleinen Quäntchen Glück, das dem Einen zu Teil wurde, dem Anderen aber nicht. Das mag auch die Bildhauerin Filippa Petterson, 1987 in Schweden geboren und Absolventin der Frankfurter Städelschule, dazu bewogen haben, den Dreidel als Vorbild für ihre Skulptur zu wählen, die an das Schicksal des Jüdischen Kinderhauses und seiner Bewohner im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen erinnern soll. Am 26. April wurde die Bronzeplastik in der Hans-Thoma-Straße, dort wo sich zwischen 1919 und 1942 das Jüdische Kinderhaus befunden hatte, offiziell enthüllt. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte in seiner Ansprache: „Wir gedenken damit der vielen Kinder und derer, die sich um ihr Wohl sorgten. Viele von ihnen wurden in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.“ Ursprünglich als Heim für bedürftige Kinder gedacht, nahm das Jüdische Kinderhaus nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten mehr und mehr Kinder auf, deren Eltern durch Berufsverbote und Ausgrenzungen in Not geraten waren oder die bereits ihre Flucht vorzubereiten versuchten. Im September 1942 wurde eine große Gruppe von 43 Kindern samt ihren Betreuerinnen und Betreuern nach Theresienstadt deportiert; damit war das Ende dieser Einrichtung beschlossen. Nur sechs Kinder überlebten; das Schicksal der Anderen liegt im Dunkeln verborgen. Historische Recherchen ergaben, dass die Existenz dieses Heims sowie das Wissen um das Schicksal seiner Bewohner und deren Betreuer unter den Nachbarn und Anwohnern in diesem Viertel nicht bekannt waren. Daraufhin gründete sich eine Initiative von Sachsenhäuser Bürgern, die gemeinsam mit der Stadt Frankfurt die Realisierung des Denkmals voranbrachte. Zu dessen offizieller Einweihung waren auch Angehörige der ehemaligen Mitarbeiter und Bewohner des Kinderheims nach Frankfurt gekommen.
Plötzlich sichtbar
Schon wer hier geboren wurde, empfindet sie mitunter als beklemmend: die „Unwirtlichkeit unserer Städte“, ein Begriff, den der Frankfurter Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich geprägt hatte. Wie aber erleben Flüchtlinge die Fassaden und endlosen Straßenfluchten moderner Großstädte? Von diesem Fremdsein unter Fremden erzählt die großformatige Fotoserie „New Citizens - Fotografien Geflüchteter“ des weißrussischen Künstlers Vitus Saloshanka, aufgenommen in einem Wohnwagen-Flüchtlingscamp im Frankfurter Stadtteil Rebstock. Erst die Flucht aus dem Heimatland, dann die Unterbringung im Lager, das einem Transitraum zwischen zwei Leben gleicht, dem, das sie hinter sich lassen mussten, und ihrer möglichen Zukunft als Bürger in Deutschland, in dem sie noch nicht angekommen sind. Ein Aufenthalt, ein Übergang, eine Endstation oder ein Aufbruch? Vom 30. April an wird man diese großformatigen Porträts an vielen Orten in Frankfurt entdecken können, denn es ist geplant, sie an öffentlichen Gebäudefassaden und Kirchen anzubringen: die plötzliche Sichtbarkeit von Menschen, die längst die Stadt bewohnen. Dank dieser Kunstinstallation im öfentlichen Raum tauchen sie aus der Unsichtbarkeit ihrer Unterbringungen auf. Aus dem abstrakten Begriff "Flüchtling" wird ein Mensch, ein Individuum mit seiner ganz persönlichen Würde. So versucht diese Ausstellung auch, eine Neubesinnung anzuregen darüber, auf welchen Werten unser Zusammenleben in einer multikulturellen Stadtgesellschaft beruht oder beruhen sollte. (Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 30. April, 12 Uhr auf dem Frankfurter Rossmarkt mit einem öffentlichen Konzert des syrischen Pianisten Aeham Ahmad und dem Ensemble "Staccato Burnout".
Royaler Risiko-Report
Wahrhaftigkeit, Standfestigkeit, die Befragung des eigenen Gewissens und die kritische Überprüfung der eigenen Tradition: Darum ging es Luther vor 500 Jahren; das kennzeichnet die Reformation. Doch der Konflikt zwischen dem Einzelnen und den Mächtigen, zwischen Anpassung und Rebellion, ist wesentlich älter. Und immer aktuell. So hat der jüdische Schriftsteller Stefan Heym 1972 als DDR-Autor ein Buch in der Bundesrepublik publiziert, in dem er die Geschichte des Ethan ben Hoshaja nacherzählt, der im Auftrag König Salomos Leben und Taten von dessen Vater, dem sagenhaften König David, erforschen soll. Bei seinen Recherchen stößt Ethan allerdings auf Dinge, die David keineswegs in ein positives Licht rücken, sondern vielmehr als skrupellosen Machtmenschen entlarven, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, wenn es gilt, die eigenen Interessen und Ziele durchzusetzen. Wie wahrheitsgetreu darf Ethan in seinem „König David Bericht“, so auch der Titel des Romans, darlegen, was er über den König herausgefunden hat, und ist eine Veröffentlichung dieser Wahrheiten von seinem Auftraggeber Salomo tatsächlich gewünscht? Es ist naheliegend, in dem Stoff, so wie Heym ihn darstellt, Anspielungen auf den Stalinismus und die Zensur in der damaligen DDR zu erkennen. Für die Evangelische Kirche Frankfurt am Main hat Ralph Abelein, Professor an der hiesigen Musikhochschule, Stefan Heyms Roman zu einem Musiktheater in 12 Szenen vertont. Seine Musik verbindet Elemente der Oper mit den musikalischen Stilen des Jazz und Pop und Anspielungen auf die Tradition des Musicals. Für Abelein ist Heyms Buch auch 45 Jahre nach seiner Veröffentlichung ausgesprochen aktuell. Denn die Fragen: „Wem kann man vertrauen?“ und „Was passiert, wenn Mächtige ihre Macht missbrauchen und welche Rolle spielen die Medien dabei?“ haben seines Erachtens bis heute nichts an Brisanz verloren. Premiere dieses spannenden, in seiner Art wohl tatsächlich bislang unerhörten Musiktheaters ist am 4. Juni in der Frankfurter Heiliggeistkirche. Ein außergewöhnlicher Beitrag der Frankfurter Protestanten zum Luther-Jubiläums-Jahr.
Stationen auf dem Jakobsweg
Sie selbst ist den Jakobsweg mehrfach gegangen. Eindrücke von diesen Reisen, die immer mehr waren als eine zurückgelegte Strecke, hat die Darmstädter Künstlerin Marlies Franz in ihren Bildern verarbeitet. Die Evangelischen Kirchengemeinde Bleidenstadt wird am kommenden Sonntag in der Kirche St. Peter auf dem Berg eine Ausstellung mit 14 Werken von Marlies Franz eröffnen – analog zu den 14 Stationen auf dem Kreuzweg Jesu. Die Ausstellung steht jedoch nicht für sich allein, sondern ist Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung mit den Themen Leid, Flucht, Gewalt und Schmerz, die in jedem Jahr und in diesen Tagen vielleicht sogar besonders gut zur Passionszeit passen. So wird sich am kommenden Sonntag an die Vernissage ein Gottesdienst anschließen, in dem die „Heilende Kraft des Scheiterns“ thematisiert werden soll. Am darauffolgenden Sonntag steht dann ein Konzert zu den Rosenkranzsonaten von Franz Ignatz Biber auf dem Programm.
Geschichten aus dem Odenwald
2010 haben sich die Dekanate Reinheim und Groß-Umstadt zum Dekanat Vorderer Odenwald zusammengeschlossen. Um einmal den Reichtum an historischen Kirchenbauten, an Geschichte und Geschichten in diesem Landstrich vorzustellen, hatte die Dekanatsleitung vor anderthalb Jahren alle Gemeinden dazu aufgerufen, Fotos und kleine Beiträge einzusenden, die von dieser Vielfalt erzählen. Herausgekommen ist dabei der Band „Aufgetan“, ein ansprechender Bildband mit interessanten Porträts, viel historischem Hintergrund und Anekdoten zu den 46 Kirchen des Dekanats. Insgesamt haben 70 Fotografen und Autoren an diesem Gemeinschaftswerk mitgewirkt. Insofern symbolisiert dieser Band aus eindrucksvolle Weise die Einheit, zu der die beiden fusionierten Dekanate mittlerweile zusammengewachsen sind. Eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Lektüre. „Aufgetan - Ein Streifzug durch die Kirchen des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald“, herausgegeben von Öffentlichkeitsreferentin Silke Rummel und Heinz-Walter Laubscheer, dem früheren Dekan des Dekanats Groß-Umstadt, ist erhältlich im Dekanatszentrum in Groß-Umstadt, in den Kirchengemeinden und im Buchhandel. Es kostet 15 Euro.
"Aus Liebe zur Wahrheit ..."
So beginnt Martin Luther seine 95 Thesen, mit deren Anschlag an die Wittenberger Schlosskirche er die Welt verändert hat. 500 Jahre später, 2017, wird das Jubiläum der von ihm in Gang gesetzten Reformation gefeiert. Das Literaturhaus Frankfurt und die EKHN Stiftung wollen dazu beitragen, die Erinnerung an den Mut und den Impetus Luthers und an die Umwälzung, die sein Thesenanschlag ausgelöst hat, wachzuhalten. Deshalb geben beide Institutionen im S.Fischer-Verlag gemeinsam ein Buch heraus, das ebenfalls 95 Thesen versammelt, formuliert von 95 Stellvertretern unserer Gesellschaft, die ganz unterschiedlichen Arbeits- und Lebenswelten angehören und mehrere Generationen repräsentieren. So finden sich in diesem Band Texte von Schriftstellern, Schauspielern, Soziologen, Ökonomen, Philosophen, Naturwissenschaftlern, Schülern und Studenten und natürlich auch von Theologen. Der Titel der Publikation mag provokant klingen: „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“, doch wurde er ganz bewusst gewählt, als Ausdruck „des urprotestantischen Glaubens an die Kraft des Wortes, das erschüttern, aufrütteln und eine überkommene Weltsicht radikal verändern kann“, wie Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung und eine der Herausgeber der Anthologie, erläutert. „Wir wollten zum einen die Idee der These in die Zukunft führen und zum anderen mit unserem Buch Thesen zur Zukunft bekannt machen. Vor allem wollen wir aber zeigen, welche Haltungen, welchen Wagemut es gegenwärtig gibt und was wir heute wirklich glauben“, erläutert Hauke Hückstädt, ebenfalls Herausgeber und Leiter des Frankfurter Literaturhauses, die Idee zu diesem Projekt. Herausgekommen ist ein anregendes Debattenbuch zu den Glaubens- und Lebensfragen unserer Zeit, ein spannender Austausch über Werte, Lebensformen, Ängste, Hoffnungen, Konflikte und Formen des Konsenses in unserer Gesellschaft. Wer daran teilhaben möchte, sollte in nächster Zeit unbedingt sein Radio eisnchalten. Denn ab dem 20 Februar wird der Hessische Rundfunk in seinem Programm hr2-Kultur an jedem Werktag eine These aus dem Band von einem ausgebildeten Sprecher vorlesen lassen. Begonnen wird mit dem Beitrag "Nichts weniger als die Welt neu erzählen" von Jagoda Marinic. Das Buch „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“ (ISBN: 978-3-10-397292-4) wird voraussichtlich ab dem 23. Februar im Handel erhältlich sein und kostet 20 Euro. Zusätzlich zur Publikation sind mehrere Veranstaltungen mit Lesungen, Diskussionen und Gesprächen geplant.
Paten und Partner
Das Patenschaftsmodell Offenbach (POM) wurde 2004 von der Evangelischen Kirche und dem Jugendamt in Offenbach gemeinsam gegründet und konnte seitdem vielen Jugendlichen bei der Berufs- und Selbstfindung helfen. Die Idee ist, Menschen aus zwei Welten zusammen zu bringen: Engagierte und erfolgreiche Bürger der Stadt schenken Jugendlichen aus sozial benachteiligten Milieus Zeit und Aufmerksamkeit und lassen sie an der Fülle ihrer Erfahrungen teilhaben. Als so genannte Paten betreuen die Erwachsenen Schüler und Schülerinnen während der 8. und 9. Hauptschulklasse und helfen ihnen dabei, den richtigen Beruf und Ausbildungsplatz zu finden und generell den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu meistern. Dabei geht es vor allem darum, den Heranwachsenden bei der Orientierung im Berufsleben zu helfen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und sie ganz praktisch bei Bewerbungen zu unterstützen. Jedes Jahr begleiten zirka 40 bis 50 Paten und sechs bis acht Lernpaten für die Nachhilfe rund 45 Jugendliche von allen fünf Offenbacher Schulen mit Hauptschulzweig. Die bisherigen Bilanz von POM kann sich sehen lassen: Zirka 70 Prozent der betreuten Schulabsolventen finden einen Ausbildungsplatz. Für dieses vorbildliche Engagement wurde das Patenschaftsmodell bereits mehrfach mit Preisen, darunter mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach 2011, ausgezeichnet. Auch Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN und Vorsitzender des Kuratoriums dieser Stiftung, unterstützt diese Initiative mit voller Überzeugung und war schon mehrfach zu Gast in den Räumen des POM. Denn als Mitglied des Migrationsbeirates der Bundesregierung und als Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche liegt ihm dieses Projekt besonders am Herzen. Auch große Unternehmen wie die Deutsche Bank unterstützen diese Initiative. (Foto: POM)
Bruder Martinus, der erste Wutbürger?
Am Vorabend des Erscheinens der Anthologie „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“ am 23. Februar lud das Literaturhaus Frankfurt zu einer Premierenfeier ein. Es lasen und diskutierten an diesem Abend (von links) die Schriftstellerin Thea Dorn, der Kulturbeauftrage der Evangelischen Kirche, Johann Hinrich Claussen, sowie die Autorin, Schauspielprofessorin und ehemalige Spitzensportlerin Ines Geipel und der Physiker und ZDF-Fernsehmoderator Harald Lesch. Moderiert wurde dieses Gespräch elegant und geistreich von Alf Mentzer, Leiter der Literatursektion von hr2-kultur (ganz links), für dessen Porgramm diese Veranstaltung auch aufgezeichnet wurde.
Spirituelle Spurensuche
Neue Einblicke in die Kunst, die Religion und vielleicht auch neue Einsichten in das eigene Selbst: Das könnte das Ergebnis am Ende eines langen Tages im Museum sein. Erneut, wie schon seit einigen Jahren, lädt das Evangelische Stadtjugendpfarramt Wiesbaden an zwei Tagen insgesamt 100 Konfirmanden zu einem Ausflug in das Wiesbadener Landesmuseum ein. In verschiedenen Kleingruppen können die Jugendlichen selbständig zwei Stunden lang die Säle und Galerien durchstreifen, um Eindrücke und Ideen zu Themen wie Natur und Schöpfung, Gott und Mensch, Tiere und Tierschutz zu sammeln. Anschließend sollen sie in der museumseigenen Werkstatt ein eigenes Kunstwerk gestalten, das ihren persönlichen „Blick auf Gott“ zum Ausdruck bringt. Wie einzelne Facetten oder Puzzleteile sollen die verschiedenen Kunstwerke am Ende zu einem Ganzen zusammengefügt werden. So kann jede Konfirmandengruppe das Gemeinschaftswerk mit in die Heimatgemeinde nehmen und dort ausstellen. Ziel des „Mit Gott im Museum“ verbrachten Tages ist es, dass die Jugendlichen das Museum als „Ort der religiösen Sinnsuche kennenlernen und ihren eigenen spirituellen Zugang entdecken“, erläutert Stadtjugendpfarrerin Astrid Stephan das Konzept des Konfirmandentages. (Anmeldung und weitere Informationen unter 0611/1 60 98 oder info@stajupfa.de; die Termine entnehmen Sie bitte unserem Banner)
Live in Lebensgefahr
„Wir sind der Überzeugung, dass wir uns die alten Geschichten immer wieder neu erzählen müssen. Nur so können wir uns den unlösbaren Fragen nähern.“ So begründet die Autorin und Regisseurin Lisa Charlotte Friederich die Auswahl des Stoffes für ihren Film: Kain und Abel, die mehrere tausend Jahre alte Geschichte eines tödlichen Brüderzwistes, eine psychologische Fallstudie über die negativen Gefühle von Neid, Minderwertigkeit und Zurückweisung. In „LIVE“, so der Titel des Filmprojekts von Friederich, hat sie den biblischen Mythos über die zweite Generation nach der Schöpfung in eine beängstigende Dystopie versetzt, in eine künftige Zeit, in der die Bedrohung durch Terror so allgegenwärtig geworden ist, dass es keine öffentlichen Aufführungen mehr gibt, weil jede Ansammlung von Menschen sofort zu einem Anschlagsziel werden könnte. Dennoch will der Trompetenkünstler Aurel das Unmögliche wagen und ein Konzert geben, zusammen mit seiner Schwester Claire. Claire leistet entschlossenen Widerstand gegen den Terror. Bis sie auf eine unüberwindliche Gegnerin trifft: sich selbst. „Menschen, die einen Terroranschlag verüben, erscheinen uns wie eine Reihe verzweifelter Verwandter von Kain, egal, welcher Ideologie sie sich öffentlich verschrieben haben“, ist Lisa Charlotte Friederich überzeugt. Warum Menschen bereit sind, sich selbst dafür zu opfern, andere Menschen in den Tod zu reißen, werden wir vielleicht niemals verstehen. Aber vielleicht eröffnet uns der Blick auf Kain und Abel eine neue Perspektive auf den Terror, wenn wir ihn (auch) als das Furchtbare ansehen, wozu ein Mensch imstande ist, wenn ihm Liebe und Anerkennung verwehrt bleiben. „LIVE“ wird von der EKHN Stiftung gefördert und gehört außerdem zu den 27 künstlerischen Projekten, die an dem Crowdfunding-Wettbewerb der Aventis Foundatio und des Kulturfonds Frankfurt und Rhein-Main teilnehmen. Die Idee dabei ist, dass die Künstler versuchen müssen, möglichst viele Unterstützer für ihr Vorhaben zu gewinnen und es auf diesem Wege schaffen, insgesamt 400.000 Euro zu sammeln. Die Aventis Foundation und der Kulturfonds geben dann nochmal zusammen 250.000 Euro dazu, und zwar wird das Geld nach der Rangfolge der Projekte beim Crowdfunding verteilt. Das heißt: Wer die meisten Unterstützer gefunden, aber sein Budget dennoch nicht erreichen konnte, bekommt einen Zuschuss. Je mehr sich am Crowdfunding beteiligen, desto mehr Künstler erhalten auch Unterstützung von den beiden Sponsoren. Die A(u)ktion läuft noch bis zum 16. Februar.
Klangbrücken
Auch die Initiative „Bridges – Musik verbindet“ gehört zu den 27 künstlerischen Projekten, die derzeit an dem Crowdfunding-Wettbewerb der Aventis Foundation und des Kulturfonds Frankfurt und Rhein-Main teilnehmen. In den kommenden Wochen sollen die Künstler möglichst viele Unterstützer zu gewinnen versuchen. Wer sich dabei am erfolgreichsten erweist, rangiert bei dem Wettbewerb ganz oben und hat daher beste Chancen, zusätzlich zum Crowdfunding auch noch eine finanzielle Förderung durch die Foundation und den Fonds zu erhalten. „Bridges – Musik verbindet“ wird auch von der EKHN Stiftung unterstützt. Gegründet im Herbst 2015 hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, „geflüchteten Musikern Gesicht und Stimme zu verleihen und sie mit Musikern aus Deutschland zusammenzubringen. Ursprünglich war nur ein gemeinsames Konzert geplant, doch hat sich die Zusammenarbeit der internationalen Musiker als so fruchtbar erwiesen, dass mittlerweile eine mehr oder weniger stabile Formation mit 70 Mitgliedern daraus erwachsen ist, die rund 50 Konzerte im Jahr gibt und zum Teil als großes Orchester, zum Teil in einzelnen Ensembles auftritt. Insgesamt gibt es innerhalb des Gesamtklangkörpers acht solcher festen kleineren Gruppierungen. Alle 14 Tage trifft man sich zum Proben und Jammen, und eine Erfahrung eint dabei alle Mitwirkenden: die Entdeckung, dass gerade die kulturellen Unterschiede im Zusammenspiel ein ungeheures kreatives Potenzial freisetzen können. (Unsere Abbildung zeigt das Ensemble-Mitglied Mustafa Kakour mit seiner Oud)
Samstags im Museum
Einen Tag lang das Museum und seinen vielen Schätze auf eigene Faust erkunden – diese Gelegenheit erhalten in jedem Jahr zirka 80 Konfirmanden aus dem ganzen Kirchengebiet. Auch in diesem Jahr lädt das Städelmuseum an zwei Samstagen im Februar und März zu einem so genannten Konfirmandentag ein. Eine thematische Vorgabe existiert dabei nicht; vielmehr soll den Jugendlichen mit dieser Veranstaltung die Möglichkeit eröffnet werden, sich einer visuellen Auseinandersetzung mit biblischen und ethischen Themen und Fragestellungen zu stellen. Außerdem vermittelt ihnen die Kunstgeschichte einen Eindruck davon, wie sich Gottesbilder und religiöse Rituale im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Wer möchte, darf im Anschluss auch selbst kreativ werden und ein eigenes Werk gestalten. Der Konfirmandentag im Städel hat mittlerweile unter dem christlichen Nachwuchs in Frankfurt „Kultstatus“ erreicht und ist auch in diesem Jahr schon wieder komplett ausgebucht. (Foto: Städel)
Buntgewürfelt
Ein Kunstwerk, zwei Sichtweisen. Jeweils ein Kunsthistoriker und ein Theologe deuten ein ausgewähltes Werk der Kunstgeschichte. Daraus können sich durchaus Kontroversen entwickeln, die für ihre Zuhörer besonders spannend sind.Die Reihe "Kunst & Religion" wird von der EKHN Stiftung bereits im vierten Jahr veranstaltet und erfreut sich großer Beliebtheit. Immer am ersten Donnerstag des Monats trifft man sich im Städel, am darauffolgenden Donnerstag dann im Liebieghaus. Die Zeit bleibt gleich: 19.30 Uhr. Als Referenten für dieses lebhafte Zwiegespräch konnten Pfarrer David Schnell von der Evangelischen Stadtkirchenarbeit am Museumsufer und Dr. Stefan Scholz von der Katholischen Akademie Rabanus Maurus gewonnen werden sowie mehrere Kunsthistoriker aus beiden Museen. Wer am Eingang ein Ticket kauft, hat damit diese spannenden Bildergeschichten gleich mitgebucht. Eine Anmeldung ist in der Regel nicht erforderlich. Unsere Abbildung zeigt "Distorted Cubes" (2001) von Sol LeWitt aus der aktuellen Ausstellung "In die 3. Dimension, Raumkonzepte auf Papier vpm Bauhaus bis zur Gegenwart" im Städel.
Kämpferin für Kinderrechte
Sie ist die jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises, die es je gegeben hat: 2014 wurde Malala Yousafzi mit diesem berühmten und wichtigen Preis ausgezeichnet, in Anerkennung ihres unermüdlichen Einsatzes für das Recht von Kindern auf Bildung. Damals war sie 17 Jahre alt. Schon mit elf Jahren hatte sie begonnen, in einem Tagebuch-Blog, den die BBC auf ihrer Website veröffentlichte, die Verbrechen der Taliban in ihrer Heimat, dem pakistanischen Swat-Tal, zu schildern. Die Taliban zerstörten dort Schulen, in denen Mädchen unterrichtet wurden, verboten allen Frauen, zu singen und zu tanzen, und zwangen sie dazu, nur noch tiefverschleiert in die Öffentlichkeit zu gehen. Vor allem der Ausschluss der weiblichen Bevölkerung von jedem Zugang zur Bildung empörte Malala, selbst Tochter des Leiters einer Privatschule. Wegen ihrer öffentlichen Kritik wurde sie 2012 auf offener Straße von einem Taliban-Kämpfer niedergeschossen und hätte diesen Anschlag beinahe nicht überlebt. Doch sie gab nicht auf und kämpft bis heute für die Rechte von Mädchen weltweit, denen man nicht erlaubt, lesen und schreiben zu lernen und damit zu autonomen Subjekten zu werden. Aber Malala ist nicht nur eine kämpferische Aktivistin, sie ist auch ein Teenager. Genau das ist der Zugang, den die Autorin und Regisseurin Sarah Kortmann für ihr Jugendtheaterstück „My Malala“ gewählt hat. Vor allem möchte sie ihr jugendliches Publikum dazu motivieren, sich selbst zu fragen, wofür oder wogegen sie in Deutschland ihre Stimme erheben könnten. Zwar existiert hierzulande eine allgemeine Schulpflicht, aber sind die Bildungschancen wirklich für alle gleich? Oder läuft hier alles so gut, dass wir keine mutigen Menschen, die die Wahrheit aussprechen, mehr brauchen. Vielleicht ist Malala ja auch nur eine von diesen Gutmenschen, die uns ständig ein schlechtes Gewissen machen... Die Premiere von „My Malala“ findet am Freitag, 25. November 2016, 19.30 Uhr in der jugend-kultur-kirche sankt peter statt.
Vom Mut, ein Anderer zu sein
Er gilt als eine herausragende Persönlichkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dabei ist Martin Niemöller (1892-1984) einen Weg gegangen, der in kein Schema passt: U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg, später aktiv im Freikorps, NSDAP-Wähler, bis er sich dann, nach einer überraschenden Kehrtwende, dem kirchlichen Widerstand anschloss und schließlich als politischer Gefangener in den KZ Sachsenhausen und Dachau landete. Aber auch nach 1945 blieb Niemöller unbequem, indem er sich gegen die Wiederaufrüstung wandte, mitten im Kalten Krieg die Weltfriedensbewegung mittrug, den Lenin-Preis in Moskau annahm. Der Film „Martin Niemöller, evangelischer Christ. Oder: Vom Mut, ein anderer zu werden“ von Klaus-Peter Kolbe (Recherche, Kamera) und Peter Marchal (Regie, Kamera, Montage) möchte Martin Niemöller in einem zum Nachdenken anstiftenden Porträt würdigen. In Archivmaterial (Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente), Zeitzeugeninterviews und Gesprächen soll die Gestalt Martin Niemöllers wieder für die Zuschauer lebendig werden. Dafür sind die Autoren quer durch Deutschland gereist, haben Informationen und Erinnerungen gesammelt, um auf diese Weise Leben und Wirken des Theologen möglichst authentisch nachzuzeichnen. Doch ging es den beiden auch um mehr: Mit ihrem Filmprojekt möchten sie vor allen Dingen junge Menschen ansprechen und sie dazu auffordern, selbst zu fragen: „Was bedeutet kirchliches Wirken in einer von Armut, Ungerechtigkeit und Kriegen geprägten Welt? Was heißt es, furchtlos den eigenen Standpunkt auch gegen den Mainstream zu vertreten?“
Gottes Segen ergießt sich in die Gemeinde
Wuchtig wirkt dieser 4,5 Tonnen schwere Altar, und doch mutet ihm auch etwas Leichtes, Improvisiertes, Schwebendes an. Fast meint man, der rund dreieinhalb Meter lange Tisch könne von seinem Sockel rutschen, zwei Blöcken, die leicht versetzt aufeinander geschichtet wurden. Doch dieses leise Spiel mit der Balance ist eine Illusion: Der Altar ist eine Skulptur, herausgeschlagen mit Hammer und Meißel aus dem massiven Muschelkalkstein, der früher schon als Altar in der Gießener Johanneskirche diente. Knapp ein Jahr haben die Renovierungsarbeiten an dem 1893 erbauten sakralen Gebäude gedauert. Mit dem Osterlicht war die Gemeinde im März 2015 aus der Kirche ausgezogen; jetzt ist sie zurückgekehrt in ihr Gotteshaus, welches plötzlich viel heller, offener und zugänglicher erscheint. Das ist vor allem dem neuen Zugang zum Altarraum zu verdanken: Nur noch ein paar strahlenförmig angelegte Stufen trennen ihn vom Kirchenschiff, man fühlt sich an ein Ufer oder Meeressaum und an sanft auslaufende Wellen erinnert. Und das ist auch beabsichtigt: „Vom Altar aus soll das Sakrale in die Gemeinde fließen“, erläutert dessen Schöpfer Georg Hüter sein Konzept. So hat er auch das Taufbecken in den Altartisch integriert: Abendmahl und Taufe, die beiden Handlungen, die die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft begründen und verfestigen, finden im Zentrum der Kirche statt und teilen sich ungehindert allen Anwesenden mit, so wie strömende Energie oder auslaufende Wellen. Das Markanteste an dieser neuen Gestaltung ist jedoch mit Sicherheit das neue Kreuz aus Bronze, das in der Höhe sechs und in seiner Querachse vier Meter misst und so schmal und filigran wirkt, dass keine Assoziation an Leid und Sterben beim Betrachter aufkommen will. Tod, wo ist Dein Stachel?“, diese Zeile fällt einem unwillkürlich ein, doch feiert dieses Kreuz weder Opfer noch Triumph des Auferstandenen. Vielmehr verweist es in seiner strengen Vertikale auf die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Georg Hüter ist es somit gelungen, in strenger Reduktion der von ihm eingesetzten Elemente eine zeitlose „religiöse Skulptur“, wie er es nennt, zu schaffen, die in ihrer archaischen Wucht ganz von dieser Welt und gleichzeitig ebenso leicht und transzendent erscheint.
Konzerte am Campus
Bereits 1997 hat die Evangelische Studierendengemeinschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt die Reihe der Sommerkonzerte ins Leben gerufen. Anlass war die häufige Klage von Studenten der Musikhochschule, dass sie in Frankfurt keine Podien fänden, um ihr Können vor Publikum zu erproben und mehr Konzertpraxis zu gewinnen. So wurde ein Konzertflügel angeschafft, und seitdem haben sich die Konzerte auf dem Campus Bockenheim als unerhört hörenswert einen Namen gemacht und sind aus dem vielfältigen kulturellen Angebot Frankfurts nicht mehr wegzudenken. Höchste Qualität in der Zusammenstellung des Programms und in der künstlerischen Darbietung, und das bei freiem Eintritt! Auch 2016 wird es wieder eine Reihe von besonderen Konzerten geben. Theologie und Musik haben schließlich etwas gemeinsam: Beide gehen durchs Ohr und suchen das Herz ... (Die Termine entnehmen Sie bitte der Leiste ganz rechts auf unserer Homepage) Unser Foto zeigt das Duo Christoph Wagner und Marike Sudo.
Hilfe zur Integration
Wer seine Heimat verlassen muss, wer vor Gewalt, Hunger und Elend flieht und in einem fremden Land ankommt, ist auf die Hilfe und Unterstützung und vor allem auf eine freundliche Aufnahme und Begrüßung durch die Einheimischen angewiesen. Und tatsächlich gibt es sie, allen Medienberichten über Protestdemonstrationen gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte zum Trotz: die Bereitschaft vieler Bürger, die Neueingetroffenen willkommen zu heißen und sie bei der Bewältigung dessen, was hinter und was möglicherweise in ihrem neuen, unbekannten Alltag vor ihnen liegen mag, zu unterstützen. Diese Bereitschaft soll aufgegriffen und unterstützt werden, weil ehrenamtliches Engagement in vielen Bereichen die staatlichen Leistungen sinnvoll ergänzen und einen Beitrag zur Integration leisten kann. Doch woher weiß man genau, welche Bedürfnisse, Wünsche, Interessen die geflüchteten Menschen jenseits der reinen Existenzsicherung haben? Und welche Fähigkeiten der Einzelne besitzt, der helfen will, und wo die Grenzen seiner Belastbarkeit liegen? Wohin kann er sich überhaupt wenden, um seine Mitarbeit anzubieten? Genau an diesem Punkt setzt „Frankfurt hilft“ an, eine Initiative der Stadt gemeinsam mit neun Stiftungen, darunter auch die EKHN Stiftung, aus Frankfurt und der Region. Deren Ziel ist es, ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge aufzunehmen, zu bündeln und weiterzuvermitteln. „Frankfurt hilft“ soll als Nahtstelle fungieren, an der professionelle Sozialarbeit und ehrenamtliches Engagement zusammenkommen, als Plattform für den Austausch zwischen den einzelnen karitativen Einrichtungen, städtischen Ämtern und den ihre Hilfe offerierenden Bürgern, als Markt der Möglichkeiten, wo und wie man mitwirken kann, um den Flüchtlingen die Integration ins gesellschaftliche Leben zu erleichtern.
Klassiker des Kirchenjahres für Kinder
Sie sind zum Teil mehrere Jahrhunderte alt und haben dennoch in all dieser Zeit nichts von ihrem Zauber und ihrer berührenden Kraft und Glaubenstiefe verloren: die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs. Die EKHN Stiftung veröffentlicht jetzt im Dezember eine CD mit den 14 schönsten Liedern aus diesem reichen Fundus, von Kindern für Kinder gesungen und musikalisch zeitgemäß arrangiert. Zu der Auswahl gehören Klassiker des Kirchenjahres wie „Macht hoch die Tür“, „Lobe den Herrn“, „Befiehl du deine Wege“ und „O Haupt voll Blut und Wunden“. Diese Aufnahme eignet sich ideal für Kinder zum Mitsingen, zum Anhören beim Einschlafen, zum gemeinsamen Musizieren in Kindergarten und Grundschule. Zusätzlich zur CD wird eine Website eingerichtet, die nicht nur die Noten und eine Hörprobe zu allen 14 Liedern bietet, sondern auch Wissenswertes zu deren Geschichte und Entstehung. Die CD ist im Handel und über die Webseite erhältlich. Alle weiteren Informationen finden Sie unter
Demut und Drama
Bachs Kantaten stammen aus dem Gottesdienst und gehören in den Gottesdienst. Doch wenn sie auch einzig und allein zu Gottes größerem Ruhm komponiert wurden, zeugen sie immer auch von der Genialität ihres Schöpfers, der, wie alle großen Rhetoriker, dramatische und höchst suggestive künstlerischen Mittel verwandte, um die Botschaft, das Evangelium, zu vermitteln. Alle 199 von Johann Sebastian Bach komponierten Kantaten in einem Zyklus in insgesamt 20 Jahren aufzuführen ist das ehrgeizige Ziel, das sich die beiden Initiatoren dieses Projektes, die Kantoren Michael Graf Münster (Frankfurt) und Martin Lutz (Wiesbaden-Schierstein), gesteckt haben. Und so erklingt in jedem Monat eine andere Kantate: samstags in der Katharinenkirche, sonntags in der Christophorus- oder der Marktkirche in Wiesbaden. 2014 war Halbzeit: Daher wurde die Aufführung der 100. Kantate mit einem besonderen Programm gefeiert.
"Für eine offene Gesellschaft!"
Mehrere hundert Zuhörer hatten sich am vergangenen Samstag im Hörsaalzentrum auf dem Unicampus Westend der Frankfurter Goethe-Uni eingefunden, um an dem Symposium "Allmacht der Algorithmen? Die digitale Revolution und wie wir sie gestalten" der EKHN Stiftung teilzunehmen. In jedem zweitenJahr lädt die Stiftung zu dieser Form einer öffentlichen Debatte über aktuelle Fragen und Themen unserer Zeit ein. Nach dem Klimawandel, der Hirnforschung und der Stammzelltechnologie stand 2017 die fortschreitende Digitlaisierung aller unserer Lebensbereiche zur Disposition. Und wieder war es der EKHN Stiftung gelungen, Experten ganz unterschiedlicher Fachbereiche und Berufsbilder als Redner zu gewinnen. In ihren Vorträgen thematisierten diese daher auch ganz verschiedene Aspekte der Digitalisierung, die von der Programmierung von Algorithmen über rechtliche Fragen des Datenschutzes bis zur Verwendung religiöser Metaphern in zeitgenössischen Computerspielen reichten.