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"Drum immer weg mit ihnen!"

Seine Judenfeindlichkeit gilt als seine bedrückendste Schattenseite. Zeitlebens hat sich Martin Luther mit diesem Thema beschäftigt, und nicht selten gipfelte diese Auseinandersetzung in aggressive Attacken, wenn er zum Beispiel am Ende seines Lebens forderte, dass man alle Synagogen niederreißen oder abbrennen solle und den Juden verboten werden müsse, den Namen Gottes auszusprechen. Doch es gab auch andere, versöhnlichere Töne von ihm. So schrieb er einmal, „Trauer, Schmerz und inständiges Gebet“ seien angebracht im Verhältnis zu den jüdischen Mitmenschen seiner Zeit. Hatte er in ihnen zunächst vor allem die Gottesmörder gesehen, denen er die alleinige Verantwortung für den Kreuzestod Jesu Christi aufbürdete, setzte er, als sich der von ihm begründete Protestantismus als eigenständige Religion zu formieren begann, auf ihre Bekehrung, weil er sich davon eine Art „Nobilitierung“ seines Glaubens versprach. Doch seine Hoffnung erfüllte sich nicht, die von ihm erwartete Umkehr der Juden „auf den rechten Weg“ blieb aus. In seiner Enttäuschung wandelte sich Luther dann endgültig zu einem Feind der Juden; das nachbiblische Judentum in seiner Eigenständigkeit hat er nie wahrgenommen; stets blieb es für ihn eine Kränkung, dass die Juden sich weigerten, die Messianität Jesu anzuerkennen. Die Ausstellung „Drum immer weg mit ihnen!“, die derzeit in der Frankfurter Luthergemeinde zu besichtigen ist, zeichnet die einzelnen Momente, Aspekte und Stationen im Verhältnis des Reformators zu den Juden nach. Die Luthergemeinde jedoch fand, dass man dieses Thema vertiefen und noch differenzierter betrachten müsse und hat daher ein beeindruckendes Begleitprogramm zur Ausstellung konzipiert, das die Verbindungslinie zwischen dem Antijudaismus des Theologen über den rassisch motivierten Antisemitismus der Nationalsozialisten bis zur Judenfeindlichkeit unter heutigen Jugendlichen nachzeichnen will. (Alle Termine entnehmen Sie bitte unserem Kalender rechts auf der Website)

Zum Foto: Der Hahn gilt in der christlichen Tradition als Symbol für Hochmut und Verleugnung, in Anlehnung an Petrus, der ihn, wie Jesus vorhergesagt hatte,  bevor der Hahn krähe, dreimal verleugnet haben würde. Als er den ersten Hahnenschrei am Morgen hört, beginnt Petrus bitterlich zu weinen, insofern wird der Hahn auch als Symbol der Reue und Umkehr gedeutet.