Logo

Bach 2.0

Die Bachstunden haben in Frankfurt eine lange Tradition, wurden sie doch schon vor vielen Jahrzehnten von dem berühmten Organisten Helmut Walcha begründet. Die Thomasgemeinde im Stadtteil Heddernheim hat daran angeknüpft und ihrerseits mit den „Neuen Frankfurter Bachstunden“ eine eigene Konzertreihe begründet, deren ebenfalls bereits 11. Zyklus jetzt im Januar 2018 beginnen wird. Die Idee dazu stammt von Kantor Tobias Koriath. Die Neuen Bachstunden haben sich zum Ziel gesetzt, neue und andere Zugänge zum musikalischen Kosmos Bachs aufzuzeigen, etwa indem sie seine Kompositionen in anderer Klanggebung oder -gestalt vorstellen oder mit der Musik anderer Epochen, vorzugsweise der Moderne, kombinieren. Ergänzt wird dieses innovative Programm durch Erläuterungen, die die Geschichte, die zu den jeweiligen Werken gehört, erzählen. Den Schwerpunkt bildet in diesem Jahr die Orgelmusik von Johann Sebastian Bach. Zeitgleich hat die Thomasgemeinde eine Initiative gestartet, um Unterstützer für die Renovierung der Kirchenorgel zu gewinnen. Die Neuen Frankfurter Bachstunden finden an jedem 19. eines Monats statt; Veranstaltungsort ist entweder die Thomaskirche selbst oder das Gemeindehaus. Beginn ist stets um 19.30 Uhr.

Kain & Claire
„Wir sind der Überzeugung, dass wir uns die alten Geschichten immer wieder neu erzählen müssen. Nur so können wir uns den unlösbaren Fragen nähern.“ So begründen Lisa Charlotte Friederich und Rike Huy die Auswahl des Stoffes für ihren Film „LIVE“, zu dem derzeit die Dreharbeiten laufen. Kain und Abel, die mehrere tausend Jahre alte Geschichte eines tödlichen Brüderzwistes, eine psychologische Fallstudie über die negativen Gefühle von Neid, eigener Minderwertigkeit und Zurückweisung, diente ihnen als Vorlage für ihren Plot. „LIVE“ übersetzt den biblischen Mythos über die zweite Generation nach der Schöpfung in eine beängstigende Dystopie, in eine künftige Zeit, in der die Bedrohung durch Terror so allgegenwärtig geworden ist, dass es keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Konzerte, Theater und Bars mehr gibt, weil jede Ansammlung von Menschen sofort zu einem Anschlagsziel werden könnte. Claire, die Hauptfigur, arbeitet als Psychologin und ist spezialisiert auf die Behandlung von Anschlagsopfern direkt nach dem Anschlag. Bei einem ihrer Einsätze findet sie neben einem Überlebenden eine Eintrittskarte, einen einfachen Zettel aus Papier, der für sie zum Auslöser für den Ausbruch aus ihrem bisherigen Leben wird. Claire macht sich auf den Weg, um anderen wieder nah sein zu können. Ihr Weg führt als erstes zu ihrem Bruder Aurel, einem Star-Trompeter, der seit Jahren nur vor einem virtuellen Publikum spielt. Ein Film über die Zukunft, über Terror und über Musik und darüber, wozu Menschen fähig sind, wenn ihnen Liebe und Anerkennung verwehrt bleiben.
Wege aus der globalen Krise?
Die Distanz zwischen den Privilegierten und den Notleidenden ist trotz einer globalisierten Welt weiterhin gigantisch. Und dies, obwohl es viele staatliche und zivile Projekte gibt, die Missstände bekämpfen und Leiden zu heilen versuchen. Es braucht einen kritischen Hilfsbegriff, der zur Selbsthilfe animiert und dennoch grundsätzliche Veränderungen ermöglicht. Thomas Gebauer, Psychologe und langjähriger Geschäftsführer der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International und Ilija Trojanow, Schrifsteller, Verleger und Übersetzer hinterfragen in ihrem neu erschienenen Buch in der Sachbuchreihe "WortStark" die vielen Facetten der Wohltätigkeit, von den Aktivitäten der Superreichen über die staatlichen Hilfen bis hin zu lokalen Initiativen. Sie durchdenken das "System des Helfens" und zeigen, was funktioniert und was nicht. Die Lesung und das Gespräch finden statt am 21. August 2018 um 19.30 Uhr in der Ev. Akademie auf dem Römerberg und werden moderiert von Stephan Hebel, Frankfurter Rundschau.
Leuchtender Pfad in der Kuppel
Seit dem 4. Jahrhundert gilt das Labyrinth als Symbol der Suche, als Weg, den der Mensch beschreiten muss, um sich selbst und den Sinn seines Daseins zu erkennen. Der Mainzer Künstler Michael Wolff hat sich die starke Symbolkraft dieses Zeichens zu eigen gemacht und in der Mainzer Christuskirche eindrucksvoll in Szene gesetzt: Von der kommenden Woche an wird in etwa 20 Metern Höhe ein Labyrinth in tiefblauem Licht in der Kuppel des Gotteshauses schweben – eine Lichterscheinung, deren Bahnen nur mit den Augen ermessen und verfolgt werden können. Dabei handelt es sich bereits um die vierte Installation, die Michael Wolff in Zusammenarbeit mit der Christuskirchengemeinde realisieren konnte. Die Vernissage findet am Mittwoch, dem 7. März, 19 Uhr, statt. Von da an kann das Labyrinth in der täglich bis 18 Uhr geöffneten Christuskirche bis zum 25. November besichtigt werden. Begleitend zu der Installation sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, wie zum Beispiel Konzerte und Workshops mit Kindern und Jugendlichen; auch wird es „blaue Stunden“ mit Musik und Texten aus Literatur und Wissenschaft, aber auch thematische Gottesdienste und Angebote über meditativen Tanz, Körpererfahrungen sowie zur Stille und Meditation geben. Eine Einladung an alle Gemeindemitglieder und Besucher, „über ihr eigenes Leben, ihre Suche nach Lebenssinn und ihren Glaubensweg neu nachzudenken“, so Pfarrerin Bettina Klünemann. Denn das sei es, was sie an den Installationen von Michael Wolff so schätze: „Dass sie Menschen in ihrem Fühlen und Denken über sich selbst hinausführen und sie ,Neuland‘ für sich entdecken – außen und in ihrem Innern. Das hat für mich viel mit christlicher Freiheit zu tun.“
Stoffliche Botschaften
Vorhänge sind mit der Zeit zerschlissen, das gilt auch für die liturgischen Antependien, die traditionellerweise in einer Kirche vom Altar, dem Lesepult (Ambo) und von der Kanzel herabhängen. Mehr als 60 Jahre nach dem Wiederaufbau der Katharinenkirche in der Frankfurter Innenstadt ist nun auch mit der Neugestaltung des Altarraums begonnen worden. Neben einem neuen Lesepult, einem neuen Osterleuchter und einem Aufsatz für die Kanzel sollten auch die alten Antependien gegen neue ausgetauscht werden. Für deren Gestaltung wurde ein künstlerischer Wettbewerb ausgelobt, den das Atelier Lönne+Neumann aus Paderborn für sich entscheiden konnte. Michael Lönne und Jörn Neumann arbeiten vorzugsweise mit Glas und haben bereits die Glastüren für den Kirchenturm von Sankt Katharinen entworfen. Bei den Antependien wählten sie ganz bewusst ein abstraktes Muster, das in seiner Abfolge aus mit Glas gefüllten und offenen Löchern an die Brailleschrift für Blinde erinnert und sofort den Wunsch weckt, es zu entziffern und seine geheime Botschaft zu entdecken. Insgesamt bestehen die Vorhänge aus mehreren Bändern in den liturgischen Farben Weiß, Rot, Violett und Grün, die zu immer anderen Kombinationen aneinandergereiht werden können. Genäht wurden sie von Marie-Luise Frey Jansen von der Textilwerkstatt Darmstadt.
Gesang des Feuers
Etwas scheint vorbei, aber es klingt noch weiter, seine Wirkung setzt sich fort. So hat Angela Rinn, Pfarrerin an der Evangelischen Kirchengemeinde in Mainz-Gonsenheim, das Jubiläumsjahr zur Reformation in 2017 erlebt. An diese Erfahrung, daran, was durch die vielen Veranstaltungen, mit denen an Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren gedacht wurde, in Bewegung gesetzt wurde, soll das von ihr mitinitiierte Projekt „Nachklang“ erinnern. Dabei ist der Titel durchaus wörtlich zu nehmen. Denn Andreas Oldörp, der Künstler, der dazu für die Kirche eine Installation geschaffen hat, arbeitet viel mit Schwingungen und Klanggeweben, die sich im Raum förmlich auszudehnen scheinen. So auch bei „One of us cannot be wrong“: Zwei mit Butangas betriebene Brenner erzeugen zwei schlanke Flammen, die die Luftsäule in zwei Glaszylindern zum Schwingen bringen. So entsteht ein Gesang, ein Nachklang des Feuers, das in den Zylindern entfacht wurde. Begleitet und ergänzt wird diese Installation von einem sehr vielseitigen Programm, zu dem unter anderem eine Tanzperformance (siehe Foto), ein Exerzitien-Abend und ein Vortrag über Tinnitus gehören. Vernissage ist am Abend vor Pfingsten (19. Mai), Finissage am Abend vor dem Reformationstag (30.10.).
Kicken mit Kirchenmusik
Wie gut, dass sich Stephan Graf von Bothmer nicht das WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko ausgewählt hatte. Vermutlich hätte er dann fast 90 Minuten lang einen Trauermarsch auf der Orgel der Mainzer Altmünsterkirche intoniert. So aber hatte er Glück, denn die Begegnung Portugal gegen Spanien verlief sehr wechselhaft und temperamentvoll, so dass es für ihn musikalisch viel zu kommentieren gab. Am 15. Juni hatte die evangelische Gemeinde in Mainz-Altmünster zu diesem außergewöhnlichen Fußballkonzert in die Kirche eingeladen: Während auf einer Großbildleinwand das Fußballspiel ablief, blieb der Ton ausgeschaltet. Stattdessen erklang die mächtige Orgel und kommentierte in der Sprache der Musik, was sich auf dem Rasen ereignete. Für viele Kirchenbesucher eine willkommene Abwechslung zur ewigen Besserwisserei der Fußballkommentatoren. Sogar Bier durfte man an diesem Tage in der Kirche trinken. Die Fußballkonzerte von Stephan von Bothmer haben mittlerweile Kultstatus erworben. Dabei übt der 47Jährige einen Beruf aus, den es gar nicht mehr gibt: Er ist Stummfilmpianist. Für ihn ist der Weg von dort zum Fußball aber gar nicht weit: „Große Gefühle, Streit, Auseinandersetzungen und Verfolgungsjagden – Fußball ist ganz großes Kino“, ist der Künstler überzeugt.
"Aus Liebe zur Wahrheit ..."
So beginnt Martin Luther seine 95 Thesen, mit deren Anschlag an die Wittenberger Schlosskirche er die Welt verändert hat. 500 Jahre später, 2017, wurde das Jubiläum der von ihm in Gang gesetzten Reformation gefeiert. Das Literaturhaus Frankfurt und die EKHN Stiftung wollten dazu beitragen, die Erinnerung an den Mut und den Impetus Luthers und an die Umwälzung, die sein Thesenanschlag ausgelöst hat, wachzuhalten. Deshalb gaben beide Institutionen im S.Fischer-Verlag gemeinsam ein Buch heraus, das ebenfalls 95 Thesen versammelt, formuliert von 95 Stellvertretern unserer Gesellschaft, die ganz unterschiedlichen Arbeits- und Lebenswelten angehören und mehrere Generationen repräsentieren. So finden sich in diesem Band Texte von Schriftstellern, Schauspielern, Soziologen, Ökonomen, Philosophen, Naturwissenschaftlern, Schülern und Studenten und natürlich auch von Theologen. Der Titel der Publikation mag provokant klingen: „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“, doch wurde er ganz bewusst gewählt, als Ausdruck „des urprotestantischen Glaubens an die Kraft des Wortes, das erschüttern, aufrütteln und eine überkommene Weltsicht radikal verändern kann“, wie Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung und eine der Herausgeber der Anthologie, erläutert. „Wir wollten zum einen die Idee der These in die Zukunft führen und zum anderen mit unserem Buch Thesen zur Zukunft bekannt machen. Vor allem wollen wir aber zeigen, welche Haltungen, welchen Wagemut es gegenwärtig gibt und was wir heute wirklich glauben“, erläutert Hauke Hückstädt, ebenfalls Herausgeber und Leiter des Frankfurter Literaturhauses, die Idee zu diesem Projekt. Herausgekommen ist ein anregendes Debattenbuch zu den Glaubens- und Lebensfragen unserer Zeit, ein spannender Austausch über Werte, Lebensformen, Ängste, Hoffnungen, Konflikte und Formen des Konsenses in unserer Gesellschaft. Das Buch „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“ (ISBN: 978-3-10-397292-4) ist im Handel erhältlich und kostet 20 Euro.
Fröhlich sprudelnder Bach
Grundschüler singen Choräle aus der Matthäuspassion? Drittklässler intonieren Arien aus dem Weihnachtsoratorium? Ja, das ist möglich. „Gerade die Musik von Johann Sebastian Bach eignet sich ideal dafür, Kindern Struktur zu vermitteln“, sagt die Kantorin und Musipädagogin Friedhilde Trüün, die das Konzept „SingBach“ entwickelt hat. Mit einer gestisch-veranschaulichenden Körpersprache vermittelt sie den kleinen Chorsängern sowohl die Bewegung der Melodien als auch die Bedeutung des Textes, den sie singen sollen. Ist von einem mächtigen König die Rede, formen die Kinder mit ihren Händen eine imaginäre Krone auf ihrem Kopf, gilt es, einen hohen Ton zu treffen, zielen die Kleinen mit ihrem Finger darauf, als würfen sie einen Pfeil auf eine Zielscheibe. Die Körpersprache hilft ihnen nicht nur, ein Verständnis für Musik und Worte zu entwickeln, sondern auch, das Gelernte zu erinnern. Auf diese Weise übt Friedhilde Trüün mit Drittklässlern ein ganzes Programm mit Bachwerken ein, die natürlich für diesen Zweck neu arrangiert wurden, allerdings ohne sie dabei allzu sehr zu simplifizieren und seicht klingen zu lassen. Jeder gesungene und gespielte Ton ist und bleibt Bach. Den Abschluss bildet dann jedes Mal ein Konzert vor großem Publikum, bei dem die Kinder aus verschiedenen Grundschulen erstmals gemeinsam auftreten – für die Mitwirkenden ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis und in vielen Fällen eine Ermutigung fürs ganze Leben. Denn Friedhilde Trüün lehrt die Acht- und Neunjährigen, die eigene Stimme zu erheben, und das nicht nur beim Singen. Auch fünf Grundschulen aus Gießen und Umgebung haben bei SingBach mitgemacht. Ihr Konzert findet am Freitag, 15. Juni, 17 Uhr, in der Gießener Petrus-Kirche statt.
Brasscamp 2018
Sie gilt als eines der ältesten Instrumente. So soll es bereits vor rund 3000 Jahren Posaunen gegeben haben. Schon die Bibel erzählt vom Klang dieses aus Messing oder Messingblech hergestellten Instruments, der so mächtig war, dass er sogar die Mauern der Stadt Jericho zum Einstürzen brachte. Bis heute ist die Posaune aus Liturgie und Kirchenmusik nicht wegzudenken. Um den musikalischen Nachwuchs zu fördern, veranstaltet das Posaunenwerk der EKHN alljährlich ein „Jugend-Brasscamp“, an dem jedes Mal zirka 100 Kinder, Jugendliche und deren Ausbilder teilnehmen. Auch 2018 findet das Brasscamp wieder statt, und zwar in der Zeit vom 17. bis 22. Juli im Haus Gottfried in Niddatal. Das Programm besteht aus drei Teilen: einer intensiven bläserischen Fortbildung für jugendliche Mitglieder aus Posaunenchören im Gebiet der EKHN, einem Workshop für Ausbilder, in dem diese in der richtigen Technik am Instrument, im Dirigieren, aber auch in der Gruppenleitung fortgebildet werden, sowie einem Modul für ausgewählte, besonders begabte junge Musiker, die hier in einer eigenen Formation zusammenspielen. In mehreren Abschlusskonzerten am Sonntag, 22. Juli, können die Teilnehmer dann zeigen, was sie in dieser Woche des intensiven Übens gelernt haben. Zur Ausbildung im Posaunenwerk zählt aber vor allem auch das Erlebnis der Gemeinschaft und eines sozialen, auf Respekt und Rücksichtnahme gegründeten Miteinanders. Beatrix Diers, Zentrum Verkündigung der EKHN, Tel. 069 71379 126
Live auf allen Kanälen
Kaum ein Beruf ist dermaßen im Wandel begriffen wie der Journalismus. Neben den klassischen Medien wie der Tageszeitung und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk entstehen immer neue Formate und Kanäle, über die Informationen veröffentlicht werden: Blogs, Youtube-Videos, Audio- und Video-Podcasts, Livestreams. Wer heute in diesen Beruf einsteigt, muss schnell und extrem flexibel sein, muss mit dem Handy ein Video drehen, Snapchat bedienen, Interviews führen oder moderieren, twittern, Posts auf Facebook einstellen und dabei gleichzeitig zuverlässig und solide recherchieren und schreiben. Um jüngere Menschen auf die Herausforderungen dieses faszinierenden Berufs vorzubereiten, veranstaltet die Hörfunkschule im evangelischen Medienhaus bereits seit mehreren Jahren eine Sommerakademie mit einem zweiwöchigen Lehrgang für Schüler und Studierende im Alter ab 16 Jahren. In diesem Jahr steht die Sommerakademie ganz im Zeichen der Digitalisierung und fragt danach, welche Folgen sie sowohl für den Einzelnen als auch für das demokratische System hat. Als Kooperationspartner konnte das Museum für Kommunikation in Frankfurt gewonnen werden. In vier Workshops während der ersten Jahreshälfte wurden die Teilnehmer bereits auf diesen Lehrgang vorbereitet, und ab dem 18. Juli wird es dann ernst: Denn während des zweiwöchigen Seminars muss die Gruppe ein 24-Stunden-Live-Radioprogramm samt TV-Kanal bei YouTube, einer eigenen Website plus Auftritt bei Facebook und Twitter produzieren. Auf diese Weise verbindet die Sommerakademie Theorie und Praxis und ermöglicht den jungen Nachwuchsjournalisten reale Erfahrungen zu sammeln, als Reporter, Redakteur, Moderator oder Nachrichten-Sprecher im Fernsehen, Radio, Online-Journalismus oder den Social Media. Eine digitale Ausbildungsplattform wird die Arbeitsergebnisse präsentieren, außerdem bietet die Akademie eine Berufsberatung und ein Coaching für alle Teilnehmer an. Die Teilnahme kostet 200 Euro, noch sind Anmeldungen möglich unter sommerakademie@hoerfunkschule-frankfurt.de Foto: Pixabay
Selig sind, die da tanzen
Für den Johanniter-Orden sind die „Seligpreisungen", die am Anfang der Bergpredigt Jesu stehen, von zentraler Bedeutung. Denn sie geben den Johannitern zu allen Zeiten Orientierung für ihr Handeln. Das Vertrauen in Gottes Kraft ermutigt sie dazu, sich Kranken, Armen und Bedürftigen zuzuwenden, so dass diese Wertschätzung und Glücklich-Preisung bereits jetzt erleben. Niemand muss auf das Jenseits vertröstet werden. Die Zahl 8 – so viele Seligpreisungen gibt es – spiegelt sich auch in den charakteristischen acht Spitzen des Johanniter-Kreuzes wider. Die hohe Bedeutung der Seligpreisungen bot jetzt den Anlass zu einer außergewöhnlichen künstlerischen Produktion: In Zusammenarbeit zwischen der erst 2009 gegründeten evangelischen Johannitergemeinde, der Tanzcompagnie Gießen und dem Manfred Becker Jazz-Ensemble entstand eine Performance, die mit den Mitteln der Musik und Bewegung den Wahrheitsgehalt und die Relevanz der Seligpreisungen für die Gegenwart auszuloten versucht. Besonderen Zauber erhält die Aufführung durch den Ort, an dem sie stattfindet: in der mittelalterlichen Komturkirche in Nieder-Weisel, die vor 800 Jahren erbaut wurde und früher im oberen Geschoss auch ein Hospital für Arme und Kranke beherbergte. Eingerahmt wird die Performance „Verwandelte Worte“, die ein einziges Mal nur am Sonntag, dem 10. Juni, gezeigt werden wird, durch Texte von Pfarrer Jörg Fröhlich. Als Benefizveranstaltung kommt der Erlös mehreren Projekten der Johanniter Unfall-Hilfe in Jordanien zugute. Dort wird Flüchtlingen aus dem Nachbarland Syrien geholfen.
Musikalisches Denkmal für die Ermordeten
Wie kein anderer Ort ist Auschwitz symbolhaft mit den Völkermordverbrechen der Nationalsozialisten verknüpft. Mit seinem „Requiem für Auschwitz“ (Uraufführung 2012) möchte der Komponist Roger Morenao-Rathgeb den Menschen, die in dem Konzentrations- und Vernichtungslager ermordet wurden, ein Denkmal setzen. Am kommenden Dienstag, dem 19. Juni, wird das Requiem im Wiesbadener Staatstheater aufgeführt – zum Gedenken an die Deportation von Sinti und Roma aus der Landeshauptstadt Wiesbaden am 8. März 1943. Ihre Namen werden während des Konzerts verlesen. Ausführende sind die 100 Musiker der Roma und Sinti Philharmoniker, Solisten und der Chor der Frankfurter Singakademie unter der Leitung von Roger Moreno-Rathgeb. Das Konzert beginnt um 20 Uhr im Großen Haus. Außerdem können Kinder und Jugendliche an zwei Terminen die Orchesterproben besuchen und dort mehr sowohl über die Philharmoniker als auch über die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während der NS-Zeit erfahren.
Bildworte
Schon seit einigen Jahren befinden sich in der Kirche „St. Peter auf dem Berg“ zwei kalligraphisch gestaltete Schrifttafeln des in Pakistan geborenen Künstlers Shahid Alam. Es handelt sich um Darstellungen der ersten Sure des Koran „Al-Fatiha“ und des jüdischen Glaubensbekenntnisses „Sh’ma Jisrael“. Inzwischen wurde von dem Künstler eine dritte Schrifttafel mit dem Prolog des Johannesevangeliums angefertigt. Als Ensemble sind die drei Tafeln in der Kirche so installiert worden, dass die gemeinsamen Wurzeln und die fortwährende Bezogenheit der drei abrahamitischen Religionen zum Ausdruck kommt. Dem Kirchenvorstand ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen für Frieden und Toleranz und zum interreligiösen Gespräch anzuregen.
Klassiker des Kirchenjahres für Kinder
Sie sind zum Teil mehrere Jahrhunderte alt und haben dennoch in all dieser Zeit nichts von ihrem Zauber und ihrer berührenden Kraft und Glaubenstiefe verloren: die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs. Die EKHN Stiftung veröffentlicht jetzt im Dezember eine CD mit den 14 schönsten Liedern aus diesem reichen Fundus, von Kindern für Kinder gesungen und musikalisch zeitgemäß arrangiert. Zu der Auswahl gehören Klassiker des Kirchenjahres wie „Macht hoch die Tür“, „Lobe den Herrn“, „Befiehl du deine Wege“ und „O Haupt voll Blut und Wunden“. Diese Aufnahme eignet sich ideal für Kinder zum Mitsingen, zum Anhören beim Einschlafen, zum gemeinsamen Musizieren in Kindergarten und Grundschule. Zusätzlich zur CD wird eine Website eingerichtet, die nicht nur die Noten und eine Hörprobe zu allen 14 Liedern bietet, sondern auch Wissenswertes zu deren Geschichte und Entstehung. Die CD ist im Handel und über die Webseite erhältlich. Alle weiteren Informationen finden Sie unter
Konzerte am Campus
Bereits 1997 hat die Evangelische Studierendengemeinschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt die Reihe der Sommerkonzerte ins Leben gerufen. Anlass war die häufige Klage von Studenten der Musikhochschule, dass sie in Frankfurt keine Podien fänden, um ihr Können vor Publikum zu erproben und mehr Konzertpraxis zu gewinnen. So wurde ein Konzertflügel angeschafft, und seitdem haben sich die Konzerte auf dem Campus Bockenheim als unerhört hörenswert einen Namen gemacht und sind aus dem vielfältigen kulturellen Angebot Frankfurts nicht mehr wegzudenken. Höchste Qualität in der Zusammenstellung des Programms und in der künstlerischen Darbietung, und das bei freiem Eintritt! Auch im Sommersemester 2018 gibt es wieder eine Reihe von besonderen Konzerten. (Die Termine entnehmen Sie bitte der Leiste ganz rechts auf unserer Homepage) Unser Foto zeigt das Duo Christoph Wagner und Marike Sudo.
Fremder Freund
Die Beziehung zwischen den USA und Europa hat sich spätestens seit der Präsidentschaft Donald Trumps stark verändert. Amerika, Jahrezehnte lang der Garant für eine stabile Weltordnung, kommt vielen Europäern mittlerweile vor wie ein fremd gewordener Freund, auf den man sich nicht länger blind verlassen kann. Denn "die Zeiten, in denen wir auf die USA bauen und den USA alle großen und vor allem die schmutzigen Aufgaben überlassen konnten, sind endgültig vorbei." Das ist das Fazit, das Klaus Brinkbäumer, seit 2015 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", in seinem neuen Buch "Nachruf auf Amerika" zieht. Am 20. März war der Journalist zu Gast in der Evangelischen Akademie Frankfurt und las einige Kapitel aus diesem Buch vor, unter anderem seine ganz persönliche Liebeserklärung an New York, wo er mehrere Jahre lang gelebt hatte. Im Gespräch mit Meike Zwingenberger, Geschäftsführerin des Amerikahaus München, schloss Brinkbäumer eine Wiederwahl Trumps 2021 nicht aus. Beide waren sich darin einig, dass das Zwei-Parteien-System in den USA das Klima der Polarisierung und Polemik, das den jüngsten Wahlkampf geprägt hatte, enorm begünstigt. Außerdem existiere in den Vereinigten Staaten immer noch ein tiefsitzender Rassismus, der mit für den Erfolg Trumps verantwortlich sei. Wie in der Reihe "WortStark" vorgesehen, war Meike Zwingenberger vor allem als kritische Gegen-Leserin zu Brinkbäumers Analyse eingeladen worden. So warf sie ihm denn auch einen sehr "deutschen Blick" auf die amerikanischen Verhältnisse vor und befand außerdem, dass sein "Nachruf" ganz und gar in der literarischen Tradition der "Jeremiade" stehe, einem Klagelied mit versöhnlichem Ausgang. Doch sehr versöhnlich blickt der Spiegel-Chefredakteur nicht in die Zukunft. So fragt er zum Beispiel, ob die USA als "eine abstürzende Weltmacht tatenlos und ohne militärische Intervention den Aufstieg Chinas zur neuen Supermacht geschehen lassen" würden. Wer ihm zuhörte, dem konnte bange werden angesichts der drei Jahre, die Trumps erste Präsidentschaft noch andauern wird. Der sachliche Pragmatismus von Meike Zwingenberger bildete dazu einen wohltuenden Kontrast. Moderiert wurde dieses spannende Streitgespräch von Mario Scalla (hr2-Kultur).
Schöpferisch
"Der Garten der Avantgarde" ist der Titel der aktuellen Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden. Für die Konfirmanden, die in diesem Jahr wieder auf Einladung des Stadtjugendpfarramts an zwei Tagen im Februar die Museums-Säle durchstreifen dürfen, bietet diese Schau sicher reichlich Inspiration für die Themen, mit denen sie sich bei dieser Expedition durch die Kunst- und Naturgeschichte beschäftigen sollen: "Schöpfung und Natur", "Bewahrung der Schöpfung und Tierschutz" und die "Beziehung zwischen Gott und Mensch". Anschauungsmaterial dürfte sich genügend entdecken lassen, verbindet das Landesmuseum wie kaum ein anderes auf geniale Weise mit seinen Exponaten die beiden Welten Kunst und Natur. Impressionistische Werke finden sich hier ebenso wie überlebensgroße Pilze, und während viele Maler die Natur in ihrer Vollkommenheit auf der Leinwand nachschaffen wollten, gleichen viele Anschauungsobjekte der Naturkunde Skulpturen oder Installationen. Natürlich interessieren sich die Konfirmanden besonders für das Zusammenspiel von Kunst und Religion und erfahren, dass auch ein Museum ein Ort der spirituellen Sinnsuche sein kann. Und in der Begegnung mit der Kunst begegnen sich viele junge Menschen auch selbst und in bisher ungewohnter Weise - eine Erfahrung, die sie in der anschließenden Kreativwerkstatt in und mit einem eigenen Werk reflektieren können. Bereits seit mehreren Jahren lädt das Stadtjugendpfarramt zu einem Ausflug "Mit Gott ins Museum" ein; die Veranstaltung ist in jedem Jahr restlos ausgebucht, und auch 2018 sind bereits jetzt die Plätze rar. (Abbildung: Museum Wiesbaden)
Aufstand der Schwestern
Sie sind aufsässig, unerschrocken und wild. Als fünf rebellische Mädchen erobern sie die Bühne. Sie nennen sich „Blutsschwestern“ und haben sich gemeinsam verschworen gegen die Zumutungen ihrer Umwelt, gegen den Zwang, als heranwachsende junge Frauen vorgeschriebene Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen zu erfüllen. Weltweit erheben zurzeit Frauen ihre Stimme: gegen sexuelle Übergriffe, Gewalt und Unterdrückung. Doch ist das nur ein Thema in Afrika und in der arabischen Welt? Wie frei und selbstbestimmt sind junge Frauen in der westlichen Welt? Mit welchen Vorstellungen und Klischees von Weiblichkeit wachsen sie auf, und haben nicht vielleicht auch einige von ihnen bereits Erfahrungen mit (sexueller) Gewalt gemacht? Wie selbstbestimmt sind sie nach 50 Jahren Feminismus? Von alldem handelt das Tanztheaterstück „Blutsschwestern“, eine Produktion des Wiener „theater foXXfire“, einer Plattform für junges, stark auf Körperarbeit und physische Aktion setzendes dramatisches Spiel. 2017 wurde „Blutsschwestern“ mit dem Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis ausgezeichnet. In Frankfurt wird diese Inszenierung Anfang März im Rahmen des Festivals „Starke Stücke“ in der jugend-kultur-kirche Sankt Peter zu sehen sein; empfohlen ist es für die Altersgruppe 13 Jahre und älter – ein kraftvolles und ausgelassenes Tanztheater über weibliche Lebensentwürfe, fesselnd und mitreißend, nicht nur für junge Frauen. (Foto: foXXfire)
Bach 2.0
Die Bachstunden haben in Frankfurt eine lange Tradition, wurden sie doch schon vor vielen Jahrzehnten von dem berühmten Organisten Helmut Walcha begründet. Die Thomasgemeinde im Stadtteil Heddernheim hat daran angeknüpft und ihrerseits mit den „Neuen Frankfurter Bachstunden“ eine eigene Konzertreihe begründet, deren ebenfalls bereits 11. Zyklus jetzt im Januar 2018 beginnen wird. Die Idee dazu stammt von Kantor Tobias Koriath. Die Neuen Bachstunden haben sich zum Ziel gesetzt, neue und andere Zugänge zum musikalischen Kosmos Bachs aufzuzeigen, etwa indem sie seine Kompositionen in anderer Klanggebung oder -gestalt vorstellen oder mit der Musik anderer Epochen, vorzugsweise der Moderne, kombinieren. Ergänzt wird dieses innovative Programm durch Erläuterungen, die die Geschichte, die zu den jeweiligen Werken gehört, erzählen. Den Schwerpunkt bildet in diesem Jahr die Orgelmusik von Johann Sebastian Bach. Zeitgleich hat die Thomasgemeinde eine Initiative gestartet, um Unterstützer für die Renovierung der Kirchenorgel zu gewinnen. Die Neuen Frankfurter Bachstunden finden an jedem 19. eines Monats statt; Veranstaltungsort ist entweder die Thomaskirche selbst oder das Gemeindehaus. Beginn ist stets um 19.30 Uhr.
Amerikas Traum(a)
Am 4. April 1968, genau vor 50 Jahren, wurde der Pfarrer und Bürgerrechtler Martin Luther King jr. ermordet. Er wurde 39 Jahre alt. Bis heute gilt er als der wichtigste Repräsentant der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die vor allem die Diskriminierung und Ungleichbehandlung der afro-amerikanischen Bevölkerung bekämpfte. King war ein Visionär, der seinen Traum von der Gleichheit aller Menschen in beeindruckender Weise lebte. Für sein Engagement war Martin Luther King 1964 mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Bleibt der gewaltfreie Weg des zivilen Ungehorsams, für den King plädierte, das einzige Mittel, um seinen Traum von der Gleichheit Aller zu verwirklichen? Darüber diskutierten am 3. April in einer gemeinsamen Veranstaltung der Evangelischen Akademie Frankfurt mit der Jüdischen Volkshochschule, der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, der Initiative Kirche von unten und der evangelischen St. Pauls-Gemeinde Jamila Adamou, Andrea Braunberger-Myers, Roberto Fabian, Bernd Göhrig, Dr. Daniela Kalscheuer, PD Dr. Katharina Kunter, Dr. Jeffrey Myers in der Alten Nikolaikirche am Römerberg.
Protestantische Farbenlehre
„In Gottes Namen bekennen wir Farbe". Das ist der Leitsatz, den sich das Evangelische Dekanat Vorderer Odenwald gegeben hat und dem es sich auch verpflichtet fühlt. Von 2018 an wird das Dekanat in jedem zweiten Jahr den Engagement-Preis „Farbe bekennen" verleihen, als Auszeichnung für Menschen, die sich „mutig und glaubwürdig für Toleranz, Demokratie und Menschenrechte“ eingesetzt haben. Dabei spielt es keine Rolle, worin dieses Engagement besteht, ob jemand spontan bei einem Unfall Erste Hilfe geleistet und Andere gerettet hat, ob er Bedürftigen hilft oder im Umweltschutz aktiv ist: „Wir sehen die Herausforderungen unserer Zeit, in der Toleranz und Engagement für andere zunehmend Mut, Geduld und persönlichen Einsatz erfordern. Mit dem Engagement-Preis wollen wir einen freundlichen und respektvollen Umgang in unserer Region fördern. Unser Glaube soll im Alltag spürbar sein. Wir wollen Menschen unterstützen, die in diesem Sinne für Würde und Toleranz eintreten - unabhängig von Herkunft, Religion oder Abstammung“, heißt es in der Begründung für die Auslobung des Preises. Die Auszeichnung ist mit 1500 Euro dotiert; zusätzlich erhält der Preisträger eine Skulptur als der Glaswerkstatt der Künstlerin Heike Jäger aus Raibach. Vorschläge können nur durch Dritte erfolgen, Selbstbewerbungen sind ausgeschlossen. Voraussetzung ist, dass der potentielle Preisträger im Dekanat geboren wurde oder bereits seit längerem dort lebt und dass sein Engagement innerhalb des Dekanatsgebiets stattgefunden hat. Bewerbungen können noch bis zum 1. Februar 2018 beim Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald, Am Darmstädter Schloß 2, 64823 Groß-Umstadt, E-Mail: dekanat-vorderer-odenwald@ekhn-net.de, eingereicht werden.
Im Glashaus
Die EKHN Stiftung wechselt ihre Adresse: Ab dem 1. Juli 2017 wird die Geschäftsführung der Stiftung unter dem Dach der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römer beheimatet sein. Das neue Domizil bietet vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung mit der Infrastruktur und den Aktivitäten vor Ort, ist Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung, überzeugt. Die neue Anschrift lautet also: EKHN Stiftung, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main (unsere Abbildung von Norbert Miguletz zeigt das neue Tagungshaus der Akademie im Herzen der Frankfurter Innenstadt).
Verwobene Worte
„Beim Wort genommen“ ist der Titel einer Installation, die in der Bad Nauheimer Dankeskirche als Beitrag zum Reformationsjubiläum und Lutherjahr 2017 gezeigt wurde. Die Frankfurter Künstlerin Corinna Krebber, die gleichzeitig auch Architektin ist, hat in die Wandarbeiten im Innenraum der Kirche Passagen aus den Schriften Luthers um und in die Architektur eingeflochten. Ihr „zentrales Motiv“ dabei sei, so erläutert die Künstlerin, „Texte aus dem gedruckten, linearen Zeilenzusammmenhang zu lösen und in eine neue, bewegte Form zu bringen.“ So wurde eine Serie von Papierschnitten in unterschiedlichen Formaten entlang der Wände im Kirchenschiff, aber auch auf der Empore und im Umgang angebracht. Die Texte entstammen zu großen Teilen dem Psalter. Diese Dichtungen haben Corinna Krebber schon seit langem fasziniert. Und: „In Luthers Übersetzung entwickeln sie eine ganz eigene Poesie und sind Ausdruck eines persönlichen Verhältnisses zum Unbekannten, Unbegreiflichen“, findet sie. Begleitend zu der Ausstellung wurden mehrere Künstlergespräche veranstaltet.
Paten und Partner
Das Patenschaftsmodell Offenbach (POM) wurde 2004 von der Evangelischen Kirche und dem Jugendamt in Offenbach gemeinsam gegründet und konnte seitdem vielen Jugendlichen bei der Berufs- und Selbstfindung helfen. Auch im kommenden Jahr wird das Projekt weiter fortgeführt werden. Die Idee dabei ist, Menschen aus zwei Welten zusammen zu bringen: Engagierte und erfolgreiche Bürger der Stadt schenken Jugendlichen aus sozial benachteiligten Milieus Zeit und Aufmerksamkeit und lassen sie an ihren Erfahrungen teilhaben. Als so genannte Paten betreuen die Erwachsenen Schüler und Schülerinnen während der 8. und 9. Hauptschulklasse und helfen ihnen dabei, den richtigen Beruf und Ausbildungsplatz zu finden und generell den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu meistern. Vor allem geht es darum, den Heranwachsenden bei der Orientierung im Berufsleben zu helfen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und sie ganz praktisch bei Bewerbungen zu unterstützen. Jedes Jahr begleiten zirka 40 bis 50 Paten und sechs bis acht Lernpaten für die Nachhilfe zwischen 35 und 45 Jugendliche von fünf Offenbacher Schulen. Die bisherigen Bilanz von POM kann sich sehen lassen: Zirka 70 Prozent der betreuten Schulabsolventen finden einen Ausbildungsplatz. Für dieses vorbildliche Engagement wurde das Patenschaftsmodell bereits mehrfach mit Preisen, darunter mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach 2011 und dem Citoyen-Preis 2014 ausgezeichnet. Auch Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN und Vorsitzender des Kuratoriums dieser Stiftung, unterstützt die Initiative mit voller Überzeugung und war schon mehrfach zu Gast in den Räumen des POM. Denn als Mitglied des Migrationsbeirates der Bundesregierung und als Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche liegt ihm dieses Projekt besonders am Herzen. Gefördert wird das Projekt auch durch Unternehmen wie die Deutsche Bank. In diesem Jahr ergänzen viele Aktivitäten das Programm des POM, wie zum Beispiel Workshops in HipHop, Percussion und Theaterspielen sowie ein Besuch der Kunstsammlung der Deutschen Bank und ein großes Grillfest im Sommer. (Foto: POM)
Geld und Glauben
„Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott“ – unter diesem Lutherwort steht im Jahr des Reformationsjubiläums eine Ausstellung und Werkstattreihe in der Matthäuskirche zum Thema „Geld der Zukunft“. Die Kuratoren Ottmar Gendera und Hajo Köhn wollen in der Reihe “Matthäus macht Programm” in Zusammenarbeit mit der “Initiative Neue Geldordnung” die unweit der Frankfurter Messe gelegene Matthäuskirche der Evangelischen Hoffnungsgemeinde in ein “temporäres Zukunftslabor” verwandeln. Ausgangsthese dieses auf drei Jahre angelegten Projektes ist die Annahme, dass wir derzeit eine ähnliche Zeitenwende durchlaufen, wie sie vor rund 500 Jahren Luther und seine Zeitgenossen erlebten. Was Luther damals antrieb, war ja unter anderem auch die Käuflichkeit der Gnade, wie sie sich im so genannten „Ablasshandel“ offenbarte. Wer zahlte, dem wurde(n) seine Schuld(en) vergeben. Dem setzt Luther einen gnädigen Gott gegenüber, der jeden Menschen annimmt, ihn in seiner Liebe „entsühnt“. Dieses auf Gleichheit und Gerechtigkeit basierende Verhältnis des Menschen zu Gott und Christus ist grundlegend für die Reformation. Wie lässt sich diese Umwälzung einer auf Ungerechtigkeit basierenden Ordnung in unsere Gegenwart übertragen? Gibt es Alternativen zu dieser Finanzwelt, die wenige immer reicher macht und viele immer ärmer? Welche Botschaft hätte Luther für die Welt des Geldes heute? Um diese Fragen soll es in der Reihe gehen; zunächst in Form von vier thematisch gegliederten Werkstattabenden. Diese Gesprächsforen werden ergänzt durch eine Basisausstellung, die grundsätzliche Fragen zum Thema Kapitalismus und Finanzmärkte aufgreift und verschiedene Modelle einer möglichen Geldreform erläutert. Für das kommende Jahr ist außerdem eine wissenschaftliche Veranstaltungsreihe geplant. Das nächste Werkstattgespräch findet am Freitag, dem 30. Juni, 19 Uhr, statt. Titel: „Kredit und Zinsen – Wie Glaube Geld und Berge versetzen kann“.
Das Schicksal ist ein Kreisel
Er ist ein Symbol des Zufalls und Glücks, wie der Würfel: Während des achttägigen Lichterfestes („Chanukka“) spielen jüdische Kinder mit dem „Dreidel“, einem kleinen Kreisel, auf dessen vier Flächen vier hebräische Buchstaben angebracht sind, die jeweils als Anfangsbuchstaben für die vier Wörter des Satzes: „Großes Wunder geschah dort“ stehen. Gemeint ist damit das unerklärliche Phänomen, dass nach dem Sieg der Makkabäer über die Griechen der große siebenarmige Leuchter im Tempel acht Tage lang mit nur einem kleinen Tropfen Öl am Brennen gehalten wurde, bis endlich neues Öl in Jerusalem eintraf. Blindes Würfelspiel des Schicksals: Auch das Überleben während der Schoah verdankte sich oft genug dem Zufall oder dem kleinen Quäntchen Glück, das dem Einen zu Teil wurde, dem Anderen aber nicht. Das mag auch die Bildhauerin Filippa Petterson, 1987 in Schweden geboren und Absolventin der Frankfurter Städelschule, dazu bewogen haben, den Dreidel als Vorbild für ihre Skulptur zu wählen, die an das Schicksal des Jüdischen Kinderhauses und seiner Bewohner im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen erinnern soll. Am 26. April wurde die Bronzeplastik in der Hans-Thoma-Straße, dort wo sich zwischen 1919 und 1942 das Jüdische Kinderhaus befunden hatte, offiziell enthüllt. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte in seiner Ansprache: „Wir gedenken damit der vielen Kinder und derer, die sich um ihr Wohl sorgten. Viele von ihnen wurden in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.“ Ursprünglich als Heim für bedürftige Kinder gedacht, nahm das Jüdische Kinderhaus nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten mehr und mehr Kinder auf, deren Eltern durch Berufsverbote und Ausgrenzungen in Not geraten waren oder die bereits ihre Flucht vorzubereiten versuchten. Im September 1942 wurde eine große Gruppe von 43 Kindern samt ihren Betreuerinnen und Betreuern nach Theresienstadt deportiert; damit war das Ende dieser Einrichtung beschlossen. Nur sechs Kinder überlebten; das Schicksal der Anderen liegt im Dunkeln verborgen. Historische Recherchen ergaben, dass die Existenz dieses Heims sowie das Wissen um das Schicksal seiner Bewohner und deren Betreuer unter den Nachbarn und Anwohnern in diesem Viertel nicht bekannt waren. Daraufhin gründete sich eine Initiative von Sachsenhäuser Bürgern, die gemeinsam mit der Stadt Frankfurt die Realisierung des Denkmals voranbrachte. Zu dessen offizieller Einweihung waren auch Angehörige der ehemaligen Mitarbeiter und Bewohner des Kinderheims nach Frankfurt gekommen.
Dabei sind viele
Vor zwei Jahren trafen sie hier ein, wurden von Hunderten von hilfsbereiten Bürgern am Bahnhof begrüßt und mit Kleider-und Essensspenden willkommen geheißen. Fast schien es damals, als gäbe es in Deutschland nur noch dieses eine Thema: die Flüchtlinge und wie die Republik es schaffen kann, sie alle aufzunehmen und zu integrieren. Inzwischen ist es still geworden; niemand steht mehr am Bahnsteig, um Neueintreffende aus Syrien oder Nordafrika zu empfangen, und kaum jemand Interessiert sich dafür, was aus allen diesen Menschen, die jetzt hier leben, geworden ist. Doch der Schein trügt: Denn seit 2015 hat sich in Frankfurt von der Öffentlichkeit nur am Rande bemerkt ein äußerst tragfähiges Netz ehrenamtlichen Engagements herausgebildet, das einen äußerst effektiven und wichtigen Beitrag zur Flüchtlingshilfe leistet. Möglich wurde dies auch dank der Plattform „Frankfurt hilft“, die das Frankfurter Sozialdezernat in Kooperation mit zehn Stiftungen, darunter auch die EKHN Stiftung, gegründet hatte, um ein zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für die ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen zu schaffen. Mit der Kampagne „Bin dabei“, die jetzt im Juli 2017 gestartet wurde, möchte „Frankfurt hilft“ zum einen den vielen Helfern danken und zum anderen auch neue Bürger für diese Aufgabe hinzugewinnen. Vor allem aber soll „Bin dabei“ das vielfältige Engagement für Flüchtlinge endlich sichtbar machen und aufzeigen, wieviel Potenzial für ein neues Miteinander in der Frankfurter Stadtgesellschaft zu finden ist. Wer sich an dieser Kampagne beteiligen möchte, kann über eine Website Poster, Sticker, Plakate oder Logos in unterschiedlichen Formaten und Gestaltungen herunterladen und damit auf sein eigenes Projekt oder seine eigene Initiative im Rahmen der Flüchtlingshilfe aufmerksam machen. „Bin dabei!“ endet am 15. September mit einem großen Sommerfest.
Im Chat mit Gott
Die Erfindung des Buchdrucks schuf die Voraussetzungen für die Reformation. Heute stehen wir wieder an der Schwelle zu einer kompletten Neuausrichtung unserer Kommunikationsformen. Hierin, so sind sich Medienexperten und Seelsorger einig, könnte auch eine große Chance für die Kirche liegen. Denn die Digitalisierung bietet bislang ungeahnte Möglichkeiten, mit Menschen in einen persönlichen Austausch zu treten. Die evangelische Kirchengemeinde Egelsbach lädt daher am Samstag, 23. September, zu einer Netz-Tagung ein, deren Ziel es ist, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der EKHN auf die Herausforderungen des Social Web fundiert vorzubereiten und sie dazu zu befähigen, „das evangelische Anliegen tief in die Kirche und weit in die Gesellschaft hineinzutragen“. Kommunikationsfachleute informieren über verschiedene Strategien, wie kirchliche Einrichtungen die digitalen Möglichkeiten nutzen können, zum Beispiel in Form interaktiver Gottesdienste im Netz oder einer Gemeindearbeit online. Mit ihrem Fokus auf der praktischen Umsetzung knüpft die Tagung „Neue digitale Reformation“ an die Social-Media-Tagung des vergangenen Jahres an und entspricht damit dem Wunsch vieler Teilnehmer. „Neue digitale Reformation – Social-Media-Strategien für Multiplikatoren“, Evangelische Hochschule Darmstadt, Zweifalltorweg 12, 64293 Darmstadt, 10 bis 17 Uhr.
Liturgie des Lebens
Mit einem außergewöhnlichen Konzert wird die Neue Rheingauer Kantorei im September ihr 15jähriges Bestehen feiern. So hat sich der Chor zwei Werke ausgesucht, die 2003 und 2013 erstaufgeführt wurden und also ebenfalls noch sehr jung sind. Dabei handelt es sich zum einen um die „Mass for Children“ von John Rutters. Ganz der englischen Kirchenmusiktradition verhaftet, schildert diese Komposition den Verlauf eines Tages aus der Sicht eines Kindes. Die typischen Melodielinien des mehrstimmigen englischen Chorgesangs werden kombiniert mit romantischen Harmonien und ungewöhnlichen Rhythmen. Das „Requiem for the living“ des 1978 geborenen US-amerikanischen Komponisten Dan Forrest lehnt sich zu großen Teilen an die Liturgie und Struktur der klassischen Totenmesse an. Allerdings fehlt das „Dies Irae“, der Ausblick auf das Jüngste Gericht, und wird durch eine Mediation („Vanitas Vanitatum“) über die Vergänglichkeit allen Lebens ersetzt. Forrest widmet sein Requiem nicht nur dem Gedenken an die Toten, sondern gleichermaßen auch den Lebenden, die zurückbleiben und ihre Trauer und ihren Schmerz über den Verlust eines nahestehenden Menschen bewältigen müssen. Das Werk mündet ein in ein großangelegtes „Lux aeterna“, das nach eigenem Bekunden seines Schöpfers „Licht, Frieden und Ruhe“ für die Lebenden und Toten spenden soll. „Requiem for the living“ wird seit 2013 überall auf der Welt mit großem Erfolg aufgeführt, denn es wirkt mitreißend und emotional aufgeladen wie die klassische Filmmusik und gleichzeitig großartig und überwältigend wie die „Carmina burana“ von Carl Orff.
Kunst der Gnade, Gnade der Kunst
„Kunst und Kirche sind geistesverwandt“, ist Kirchenpräsident Volker Jung überzeugt. „Beide suchen nach Sinn und beide versuchen, Grenzen des Verstehens zu überschreiten.“ Um den Dialog zwischen evangelischer Kirche und Bildender Kunst zu unterstützen, hat die EKHN zum 500. Jahrestag der Reformation das Projekt „kunstinitiative 2017“ ins Leben gerufen. 20 Künstler waren im vergangenen Jahr eingeladen, sich in einem Wettbewerb um den Preis der Initiative zu bewerben. Dessen Thema „Gnade“ sollte sie auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Kirchenraum als einem Freiraum zur ästhetischen Gestaltung anregen. Am Ende hat das hochkarätig besetzte Kuratorium, zu dem Kunstschaffende und Kunstlehrende verschiedener Hochschulen zählten, drei junge Künstler ausgezeichnet: Daniela Kneip Valescu, Georg Lutz und Lisa Weber. Alle drei sind derzeit damit beschäftigt, in je einer Darmstädter Kirche ihre Kunstobjekte zu installieren. Während Daniela Kneip Valescu sich dazu entschieden hat, inner- und außerhalb der Michaelskirche mit textilen Materialien zu arbeiten, wird Georg Lutz in der Martinskirche seine großen Gefäße aufstellen. Lisa Weber hingegen arbeitet an einer Videoinstallation für die Stadtkirche, zu der sie durch eine Erzählung von Ingeborg Bachmann inspiriert wurde. Die Vernissage für die Präsentation der drei Preisträger und ihrer Arbeiten findet am 30. April 2017,10 Uhr, im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Martinskirche statt, an dem auch Kirchenpräsident Jung teilnehmen wird. Bis zum Juni wird die Kunstinitiative eine Reihe von Vorträgen, Konzerten, Künstlergesprächen und Gottesdienste als Rahmenprogramm zur Ergänzung der Ausstellung veranstalten. Die drei Kirchen liegen nicht weit auseinander und sind in den folgenden Monaten auch während der Woche täglich für mehrere Stunden geöffnet, damit die Kunstwerke besichtigt werden können.
Goethes Gesichter
Sie wollen zeigen, dass ihre Uni ein Ort der Vielfalt, des Dialogs und der Toleranz ist. Deshalb haben sich rund 40 Studierende aus der evangelischen, katholischen und islamischen Studierendengemeinde an der Frankfurter Goethe-Universität zusammengetan und das „Café Abraham“ gegründet, wohin sie regelmäßig zum „Interreligiösen Chillen“ einladen. Zweimal bereits hat das Café auf dem Unicampus Westend seine Zelte aufgeschlagen, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. So wie sich der Stammvater aller drei monotheistischen Religionen einst auf den Weg ins gelobte Land Kanaan machte, so ist auch das nach ihm benannte Café kein fester Ort, sondern ein Provisorium aus Zeltplanen, Kissen und Liegestühlen, das überall auftauchen und auch wieder verschwinden kann. Dieses Provisorium erinnert gleichzeitig an das Schicksal der vielen Flüchtlinge weltweit. Auch sie befinden sich auf einer Reise mit ungewissem Ziel und Ausgang und haben alles, was einst ihr Zuhause ausmachte, hinter sich zurücklassen müssen. Als Antwort auf Hass, Gewalt und Intoleranz wollen die Initiatoren des Café Abraham nun ein weiteres Zeichen der Vielfalt und des friedlichen Miteinanders setzen. Inspiriert durch den US-amerikanischen Fotokünstler Brandon Stanton und dessen Porträtreihe „Humans of New York“ haben sie in den vergangenen Monaten Studierende und Mitarbeiter der Goethe-Universität fotografiert, die in der Wanderausstellung „Humans of Goethe“ präsentiert werden – als die Gesichter von Persönlichkeiten, die die Hochschule zu einem vielseitigen Ort des Lernens, Lebens und Arbeitens machen. Wer mitmachen wollte, konnte sich über eine Facebook-Adresse bei den jungen Fotografen melden. Auf diesem Wege sollen Studierende dazu herausgefordert werden, sich in der Begegnung mit Anderen über ihr eigenes Selbstverständnis und Selbstbild klar zu werden und sich mit fremden Lebensentwürfen auseinanderzusetzen. Die Vernissage der Ausstellung „Humans of Goethe“ im Foyer des IG Farben Hauses, Norbert-Wollheim-Platz, 60323 Frankfurt, fand am 10. Mai 2017 statt.
Royaler Risiko-Report
Wahrhaftigkeit, Standfestigkeit, die Befragung des eigenen Gewissens und die kritische Überprüfung der eigenen Tradition: Darum ging es Luther vor 500 Jahren; das kennzeichnet die Reformation. Doch der Konflikt zwischen dem Einzelnen und den Mächtigen, zwischen Anpassung und Rebellion, ist wesentlich älter. Und immer aktuell. So hat der jüdische Schriftsteller Stefan Heym 1972 als DDR-Autor ein Buch in der Bundesrepublik publiziert, in dem er die Geschichte des Ethan ben Hoshaja nacherzählt, der im Auftrag König Salomos Leben und Taten von dessen Vater, dem sagenhaften König David, erforschen soll. Bei seinen Recherchen stößt Ethan allerdings auf Dinge, die David keineswegs in ein positives Licht rücken, sondern vielmehr als skrupellosen Machtmenschen entlarven, der auch vor Mord nicht zurückschreckt, wenn es gilt, die eigenen Interessen und Ziele durchzusetzen. Wie wahrheitsgetreu darf Ethan in seinem „König David Bericht“, so auch der Titel des Romans, darlegen, was er über den König herausgefunden hat, und ist eine Veröffentlichung dieser Wahrheiten von seinem Auftraggeber Salomo tatsächlich gewünscht? Es ist naheliegend, in dem Stoff, so wie Heym ihn darstellt, Anspielungen auf den Stalinismus und die Zensur in der damaligen DDR zu erkennen. Für die Evangelische Kirche Frankfurt am Main hat Ralph Abelein, Professor an der hiesigen Musikhochschule, Stefan Heyms Roman zu einem Musiktheater in 12 Szenen vertont. Seine Musik verbindet Elemente der Oper mit den musikalischen Stilen des Jazz und Pop und Anspielungen auf die Tradition des Musicals. Für Abelein ist Heyms Buch auch 45 Jahre nach seiner Veröffentlichung ausgesprochen aktuell. Denn die Fragen: „Wem kann man vertrauen?“ und „Was passiert, wenn Mächtige ihre Macht missbrauchen und welche Rolle spielen die Medien dabei?“ haben seines Erachtens bis heute nichts an Brisanz verloren. Premiere dieses spannenden, in seiner Art wohl tatsächlich bislang unerhörten Musiktheaters ist am 4. Juni in der Frankfurter Heiliggeistkirche. Ein außergewöhnlicher Beitrag der Frankfurter Protestanten zum Luther-Jubiläums-Jahr.
Stationen auf dem Jakobsweg
Sie selbst ist den Jakobsweg mehrfach gegangen. Eindrücke von diesen Reisen, die immer mehr waren als eine zurückgelegte Strecke, hat die Darmstädter Künstlerin Marlies Franz in ihren Bildern verarbeitet. Die Evangelischen Kirchengemeinde Bleidenstadt wird am kommenden Sonntag in der Kirche St. Peter auf dem Berg eine Ausstellung mit 14 Werken von Marlies Franz eröffnen – analog zu den 14 Stationen auf dem Kreuzweg Jesu. Die Ausstellung steht jedoch nicht für sich allein, sondern ist Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung mit den Themen Leid, Flucht, Gewalt und Schmerz, die in jedem Jahr und in diesen Tagen vielleicht sogar besonders gut zur Passionszeit passen. So wird sich am kommenden Sonntag an die Vernissage ein Gottesdienst anschließen, in dem die „Heilende Kraft des Scheiterns“ thematisiert werden soll. Am darauffolgenden Sonntag steht dann ein Konzert zu den Rosenkranzsonaten von Franz Ignatz Biber auf dem Programm.
Geschichten aus dem Odenwald
2010 haben sich die Dekanate Reinheim und Groß-Umstadt zum Dekanat Vorderer Odenwald zusammengeschlossen. Um einmal den Reichtum an historischen Kirchenbauten, an Geschichte und Geschichten in diesem Landstrich vorzustellen, hatte die Dekanatsleitung vor anderthalb Jahren alle Gemeinden dazu aufgerufen, Fotos und kleine Beiträge einzusenden, die von dieser Vielfalt erzählen. Herausgekommen ist dabei der Band „Aufgetan“, ein ansprechender Bildband mit interessanten Porträts, viel historischem Hintergrund und Anekdoten zu den 46 Kirchen des Dekanats. Insgesamt haben 70 Fotografen und Autoren an diesem Gemeinschaftswerk mitgewirkt. Insofern symbolisiert dieser Band aus eindrucksvolle Weise die Einheit, zu der die beiden fusionierten Dekanate mittlerweile zusammengewachsen sind. Eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Lektüre. „Aufgetan - Ein Streifzug durch die Kirchen des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald“, herausgegeben von Öffentlichkeitsreferentin Silke Rummel und Heinz-Walter Laubscheer, dem früheren Dekan des Dekanats Groß-Umstadt, ist erhältlich im Dekanatszentrum in Groß-Umstadt, in den Kirchengemeinden und im Buchhandel. Es kostet 15 Euro.
Bruder Martinus, der erste Wutbürger?
Am Vorabend des Erscheinens der Anthologie „95 Anschläge – Thesen für die Zukunft“ am 23. Februar lud das Literaturhaus Frankfurt zu einer Premierenfeier ein. Es lasen und diskutierten an diesem Abend (von links) die Schriftstellerin Thea Dorn, der Kulturbeauftrage der Evangelischen Kirche, Johann Hinrich Claussen, sowie die Autorin, Schauspielprofessorin und ehemalige Spitzensportlerin Ines Geipel und der Physiker und ZDF-Fernsehmoderator Harald Lesch. Moderiert wurde dieses Gespräch elegant und geistreich von Alf Mentzer, Leiter der Literatursektion von hr2-kultur (ganz links), für dessen Porgramm diese Veranstaltung auch aufgezeichnet wurde.
Spirituelle Spurensuche
Neue Einblicke in die Kunst, die Religion und vielleicht auch neue Einsichten in das eigene Selbst: Das könnte das Ergebnis am Ende eines langen Tages im Museum sein. Erneut, wie schon seit einigen Jahren, lädt das Evangelische Stadtjugendpfarramt Wiesbaden an zwei Tagen insgesamt 100 Konfirmanden zu einem Ausflug in das Wiesbadener Landesmuseum ein. In verschiedenen Kleingruppen können die Jugendlichen selbständig zwei Stunden lang die Säle und Galerien durchstreifen, um Eindrücke und Ideen zu Themen wie Natur und Schöpfung, Gott und Mensch, Tiere und Tierschutz zu sammeln. Anschließend sollen sie in der museumseigenen Werkstatt ein eigenes Kunstwerk gestalten, das ihren persönlichen „Blick auf Gott“ zum Ausdruck bringt. Wie einzelne Facetten oder Puzzleteile sollen die verschiedenen Kunstwerke am Ende zu einem Ganzen zusammengefügt werden. So kann jede Konfirmandengruppe das Gemeinschaftswerk mit in die Heimatgemeinde nehmen und dort ausstellen. Ziel des „Mit Gott im Museum“ verbrachten Tages ist es, dass die Jugendlichen das Museum als „Ort der religiösen Sinnsuche kennenlernen und ihren eigenen spirituellen Zugang entdecken“, erläutert Stadtjugendpfarrerin Astrid Stephan das Konzept des Konfirmandentages. (Anmeldung und weitere Informationen unter 0611/1 60 98 oder info@stajupfa.de; die Termine entnehmen Sie bitte unserem Banner)
Live in Lebensgefahr
„Wir sind der Überzeugung, dass wir uns die alten Geschichten immer wieder neu erzählen müssen. Nur so können wir uns den unlösbaren Fragen nähern.“ So begründet die Autorin und Regisseurin Lisa Charlotte Friederich die Auswahl des Stoffes für ihren Film: Kain und Abel, die mehrere tausend Jahre alte Geschichte eines tödlichen Brüderzwistes, eine psychologische Fallstudie über die negativen Gefühle von Neid, Minderwertigkeit und Zurückweisung. In „LIVE“, so der Titel des Filmprojekts von Friederich, hat sie den biblischen Mythos über die zweite Generation nach der Schöpfung in eine beängstigende Dystopie versetzt, in eine künftige Zeit, in der die Bedrohung durch Terror so allgegenwärtig geworden ist, dass es keine öffentlichen Aufführungen mehr gibt, weil jede Ansammlung von Menschen sofort zu einem Anschlagsziel werden könnte. Dennoch will der Trompetenkünstler Aurel das Unmögliche wagen und ein Konzert geben, zusammen mit seiner Schwester Claire. Claire leistet entschlossenen Widerstand gegen den Terror. Bis sie auf eine unüberwindliche Gegnerin trifft: sich selbst. „Menschen, die einen Terroranschlag verüben, erscheinen uns wie eine Reihe verzweifelter Verwandter von Kain, egal, welcher Ideologie sie sich öffentlich verschrieben haben“, ist Lisa Charlotte Friederich überzeugt. Warum Menschen bereit sind, sich selbst dafür zu opfern, andere Menschen in den Tod zu reißen, werden wir vielleicht niemals verstehen. Aber vielleicht eröffnet uns der Blick auf Kain und Abel eine neue Perspektive auf den Terror, wenn wir ihn (auch) als das Furchtbare ansehen, wozu ein Mensch imstande ist, wenn ihm Liebe und Anerkennung verwehrt bleiben. „LIVE“ wird von der EKHN Stiftung gefördert und gehört außerdem zu den 27 künstlerischen Projekten, die an dem Crowdfunding-Wettbewerb der Aventis Foundatio und des Kulturfonds Frankfurt und Rhein-Main teilnehmen. Die Idee dabei ist, dass die Künstler versuchen müssen, möglichst viele Unterstützer für ihr Vorhaben zu gewinnen und es auf diesem Wege schaffen, insgesamt 400.000 Euro zu sammeln. Die Aventis Foundation und der Kulturfonds geben dann nochmal zusammen 250.000 Euro dazu, und zwar wird das Geld nach der Rangfolge der Projekte beim Crowdfunding verteilt. Das heißt: Wer die meisten Unterstützer gefunden, aber sein Budget dennoch nicht erreichen konnte, bekommt einen Zuschuss. Je mehr sich am Crowdfunding beteiligen, desto mehr Künstler erhalten auch Unterstützung von den beiden Sponsoren. Die A(u)ktion läuft noch bis zum 16. Februar.
Klangbrücken
Auch die Initiative „Bridges – Musik verbindet“ gehört zu den 27 künstlerischen Projekten, die derzeit an dem Crowdfunding-Wettbewerb der Aventis Foundation und des Kulturfonds Frankfurt und Rhein-Main teilnehmen. In den kommenden Wochen sollen die Künstler möglichst viele Unterstützer zu gewinnen versuchen. Wer sich dabei am erfolgreichsten erweist, rangiert bei dem Wettbewerb ganz oben und hat daher beste Chancen, zusätzlich zum Crowdfunding auch noch eine finanzielle Förderung durch die Foundation und den Fonds zu erhalten. „Bridges – Musik verbindet“ wird auch von der EKHN Stiftung unterstützt. Gegründet im Herbst 2015 hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, „geflüchteten Musikern Gesicht und Stimme zu verleihen und sie mit Musikern aus Deutschland zusammenzubringen. Ursprünglich war nur ein gemeinsames Konzert geplant, doch hat sich die Zusammenarbeit der internationalen Musiker als so fruchtbar erwiesen, dass mittlerweile eine mehr oder weniger stabile Formation mit 70 Mitgliedern daraus erwachsen ist, die rund 50 Konzerte im Jahr gibt und zum Teil als großes Orchester, zum Teil in einzelnen Ensembles auftritt. Insgesamt gibt es innerhalb des Gesamtklangkörpers acht solcher festen kleineren Gruppierungen. Alle 14 Tage trifft man sich zum Proben und Jammen, und eine Erfahrung eint dabei alle Mitwirkenden: die Entdeckung, dass gerade die kulturellen Unterschiede im Zusammenspiel ein ungeheures kreatives Potenzial freisetzen können. (Unsere Abbildung zeigt das Ensemble-Mitglied Mustafa Kakour mit seiner Oud)
Samstags im Museum
Einen Tag lang das Museum und seinen vielen Schätze auf eigene Faust erkunden – diese Gelegenheit erhalten in jedem Jahr zirka 80 Konfirmanden aus dem ganzen Kirchengebiet. Auch in diesem Jahr lädt das Städelmuseum an zwei Samstagen im Februar und März zu einem so genannten Konfirmandentag ein. Eine thematische Vorgabe existiert dabei nicht; vielmehr soll den Jugendlichen mit dieser Veranstaltung die Möglichkeit eröffnet werden, sich einer visuellen Auseinandersetzung mit biblischen und ethischen Themen und Fragestellungen zu stellen. Außerdem vermittelt ihnen die Kunstgeschichte einen Eindruck davon, wie sich Gottesbilder und religiöse Rituale im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Wer möchte, darf im Anschluss auch selbst kreativ werden und ein eigenes Werk gestalten. Der Konfirmandentag im Städel hat mittlerweile unter dem christlichen Nachwuchs in Frankfurt „Kultstatus“ erreicht und ist auch in diesem Jahr schon wieder komplett ausgebucht. (Foto: Städel)
Buntgewürfelt
Ein Kunstwerk, zwei Sichtweisen. Jeweils ein Kunsthistoriker und ein Theologe deuten ein ausgewähltes Werk der Kunstgeschichte. Daraus können sich durchaus Kontroversen entwickeln, die für ihre Zuhörer besonders spannend sind.Die Reihe "Kunst & Religion" wird von der EKHN Stiftung bereits im vierten Jahr veranstaltet und erfreut sich großer Beliebtheit. Immer am ersten Donnerstag des Monats trifft man sich im Städel, am darauffolgenden Donnerstag dann im Liebieghaus. Die Zeit bleibt gleich: 19.30 Uhr. Als Referenten für dieses lebhafte Zwiegespräch konnten Pfarrer David Schnell von der Evangelischen Stadtkirchenarbeit am Museumsufer und Dr. Stefan Scholz von der Katholischen Akademie Rabanus Maurus gewonnen werden sowie mehrere Kunsthistoriker aus beiden Museen. Wer am Eingang ein Ticket kauft, hat damit diese spannenden Bildergeschichten gleich mitgebucht. Eine Anmeldung ist in der Regel nicht erforderlich. Unsere Abbildung zeigt "Distorted Cubes" (2001) von Sol LeWitt aus der aktuellen Ausstellung "In die 3. Dimension, Raumkonzepte auf Papier vpm Bauhaus bis zur Gegenwart" im Städel.
Kämpferin für Kinderrechte
Sie ist die jüngste Trägerin des Friedensnobelpreises, die es je gegeben hat: 2014 wurde Malala Yousafzi mit diesem berühmten und wichtigen Preis ausgezeichnet, in Anerkennung ihres unermüdlichen Einsatzes für das Recht von Kindern auf Bildung. Damals war sie 17 Jahre alt. Schon mit elf Jahren hatte sie begonnen, in einem Tagebuch-Blog, den die BBC auf ihrer Website veröffentlichte, die Verbrechen der Taliban in ihrer Heimat, dem pakistanischen Swat-Tal, zu schildern. Die Taliban zerstörten dort Schulen, in denen Mädchen unterrichtet wurden, verboten allen Frauen, zu singen und zu tanzen, und zwangen sie dazu, nur noch tiefverschleiert in die Öffentlichkeit zu gehen. Vor allem der Ausschluss der weiblichen Bevölkerung von jedem Zugang zur Bildung empörte Malala, selbst Tochter des Leiters einer Privatschule. Wegen ihrer öffentlichen Kritik wurde sie 2012 auf offener Straße von einem Taliban-Kämpfer niedergeschossen und hätte diesen Anschlag beinahe nicht überlebt. Doch sie gab nicht auf und kämpft bis heute für die Rechte von Mädchen weltweit, denen man nicht erlaubt, lesen und schreiben zu lernen und damit zu autonomen Subjekten zu werden. Aber Malala ist nicht nur eine kämpferische Aktivistin, sie ist auch ein Teenager. Genau das ist der Zugang, den die Autorin und Regisseurin Sarah Kortmann für ihr Jugendtheaterstück „My Malala“ gewählt hat. Vor allem möchte sie ihr jugendliches Publikum dazu motivieren, sich selbst zu fragen, wofür oder wogegen sie in Deutschland ihre Stimme erheben könnten. Zwar existiert hierzulande eine allgemeine Schulpflicht, aber sind die Bildungschancen wirklich für alle gleich? Oder läuft hier alles so gut, dass wir keine mutigen Menschen, die die Wahrheit aussprechen, mehr brauchen. Vielleicht ist Malala ja auch nur eine von diesen Gutmenschen, die uns ständig ein schlechtes Gewissen machen... Die Premiere von „My Malala“ findet am Freitag, 25. November 2016, 19.30 Uhr in der jugend-kultur-kirche sankt peter statt.
Vom Mut, ein Anderer zu sein
Er gilt als eine herausragende Persönlichkeit der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dabei ist Martin Niemöller (1892-1984) einen Weg gegangen, der in kein Schema passt: U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg, später aktiv im Freikorps, NSDAP-Wähler, bis er sich dann, nach einer überraschenden Kehrtwende, dem kirchlichen Widerstand anschloss und schließlich als politischer Gefangener in den KZ Sachsenhausen und Dachau landete. Aber auch nach 1945 blieb Niemöller unbequem, indem er sich gegen die Wiederaufrüstung wandte, mitten im Kalten Krieg die Weltfriedensbewegung mittrug, den Lenin-Preis in Moskau annahm. Der Film „Martin Niemöller, evangelischer Christ. Oder: Vom Mut, ein anderer zu werden“ von Klaus-Peter Kolbe (Recherche, Kamera) und Peter Marchal (Regie, Kamera, Montage) möchte Martin Niemöller in einem zum Nachdenken anstiftenden Porträt würdigen. In Archivmaterial (Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente), Zeitzeugeninterviews und Gesprächen soll die Gestalt Martin Niemöllers wieder für die Zuschauer lebendig werden. Dafür sind die Autoren quer durch Deutschland gereist, haben Informationen und Erinnerungen gesammelt, um auf diese Weise Leben und Wirken des Theologen möglichst authentisch nachzuzeichnen. Doch ging es den beiden auch um mehr: Mit ihrem Filmprojekt möchten sie vor allen Dingen junge Menschen ansprechen und sie dazu auffordern, selbst zu fragen: „Was bedeutet kirchliches Wirken in einer von Armut, Ungerechtigkeit und Kriegen geprägten Welt? Was heißt es, furchtlos den eigenen Standpunkt auch gegen den Mainstream zu vertreten?“
Gottes Segen ergießt sich in die Gemeinde
Wuchtig wirkt dieser 4,5 Tonnen schwere Altar, und doch mutet ihm auch etwas Leichtes, Improvisiertes, Schwebendes an. Fast meint man, der rund dreieinhalb Meter lange Tisch könne von seinem Sockel rutschen, zwei Blöcken, die leicht versetzt aufeinander geschichtet wurden. Doch dieses leise Spiel mit der Balance ist eine Illusion: Der Altar ist eine Skulptur, herausgeschlagen mit Hammer und Meißel aus dem massiven Muschelkalkstein, der früher schon als Altar in der Gießener Johanneskirche diente. Knapp ein Jahr haben die Renovierungsarbeiten an dem 1893 erbauten sakralen Gebäude gedauert. Mit dem Osterlicht war die Gemeinde im März 2015 aus der Kirche ausgezogen; jetzt ist sie zurückgekehrt in ihr Gotteshaus, welches plötzlich viel heller, offener und zugänglicher erscheint. Das ist vor allem dem neuen Zugang zum Altarraum zu verdanken: Nur noch ein paar strahlenförmig angelegte Stufen trennen ihn vom Kirchenschiff, man fühlt sich an ein Ufer oder Meeressaum und an sanft auslaufende Wellen erinnert. Und das ist auch beabsichtigt: „Vom Altar aus soll das Sakrale in die Gemeinde fließen“, erläutert dessen Schöpfer Georg Hüter sein Konzept. So hat er auch das Taufbecken in den Altartisch integriert: Abendmahl und Taufe, die beiden Handlungen, die die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft begründen und verfestigen, finden im Zentrum der Kirche statt und teilen sich ungehindert allen Anwesenden mit, so wie strömende Energie oder auslaufende Wellen. Das Markanteste an dieser neuen Gestaltung ist jedoch mit Sicherheit das neue Kreuz aus Bronze, das in der Höhe sechs und in seiner Querachse vier Meter misst und so schmal und filigran wirkt, dass keine Assoziation an Leid und Sterben beim Betrachter aufkommen will. Tod, wo ist Dein Stachel?“, diese Zeile fällt einem unwillkürlich ein, doch feiert dieses Kreuz weder Opfer noch Triumph des Auferstandenen. Vielmehr verweist es in seiner strengen Vertikale auf die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Georg Hüter ist es somit gelungen, in strenger Reduktion der von ihm eingesetzten Elemente eine zeitlose „religiöse Skulptur“, wie er es nennt, zu schaffen, die in ihrer archaischen Wucht ganz von dieser Welt und gleichzeitig ebenso leicht und transzendent erscheint.
Hilfe zur Integration
Wer seine Heimat verlassen muss, wer vor Gewalt, Hunger und Elend flieht und in einem fremden Land ankommt, ist auf die Hilfe und Unterstützung und vor allem auf eine freundliche Aufnahme und Begrüßung durch die Einheimischen angewiesen. Und tatsächlich gibt es sie, allen Medienberichten über Protestdemonstrationen gegen geplante Flüchtlingsunterkünfte zum Trotz: die Bereitschaft vieler Bürger, die Neueingetroffenen willkommen zu heißen und sie bei der Bewältigung dessen, was hinter und was möglicherweise in ihrem neuen, unbekannten Alltag vor ihnen liegen mag, zu unterstützen. Diese Bereitschaft soll aufgegriffen und unterstützt werden, weil ehrenamtliches Engagement in vielen Bereichen die staatlichen Leistungen sinnvoll ergänzen und einen Beitrag zur Integration leisten kann. Doch woher weiß man genau, welche Bedürfnisse, Wünsche, Interessen die geflüchteten Menschen jenseits der reinen Existenzsicherung haben? Und welche Fähigkeiten der Einzelne besitzt, der helfen will, und wo die Grenzen seiner Belastbarkeit liegen? Wohin kann er sich überhaupt wenden, um seine Mitarbeit anzubieten? Genau an diesem Punkt setzt „Frankfurt hilft“ an, eine Initiative der Stadt gemeinsam mit neun Stiftungen, darunter auch die EKHN Stiftung, aus Frankfurt und der Region. Deren Ziel ist es, ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge aufzunehmen, zu bündeln und weiterzuvermitteln. „Frankfurt hilft“ soll als Nahtstelle fungieren, an der professionelle Sozialarbeit und ehrenamtliches Engagement zusammenkommen, als Plattform für den Austausch zwischen den einzelnen karitativen Einrichtungen, städtischen Ämtern und den ihre Hilfe offerierenden Bürgern, als Markt der Möglichkeiten, wo und wie man mitwirken kann, um den Flüchtlingen die Integration ins gesellschaftliche Leben zu erleichtern.
Demut und Drama
Bachs Kantaten stammen aus dem Gottesdienst und gehören in den Gottesdienst. Doch wenn sie auch einzig und allein zu Gottes größerem Ruhm komponiert wurden, zeugen sie immer auch von der Genialität ihres Schöpfers, der, wie alle großen Rhetoriker, dramatische und höchst suggestive künstlerischen Mittel verwandte, um die Botschaft, das Evangelium, zu vermitteln. Alle 199 von Johann Sebastian Bach komponierten Kantaten in einem Zyklus in insgesamt 20 Jahren aufzuführen ist das ehrgeizige Ziel, das sich die beiden Initiatoren dieses Projektes, die Kantoren Michael Graf Münster (Frankfurt) und Martin Lutz (Wiesbaden-Schierstein), gesteckt haben. Und so erklingt in jedem Monat eine andere Kantate: samstags in der Katharinenkirche, sonntags in der Christophorus- oder der Marktkirche in Wiesbaden. 2014 war Halbzeit: Daher wurde die Aufführung der 100. Kantate mit einem besonderen Programm gefeiert.
"Für eine offene Gesellschaft!"
Mehrere hundert Zuhörer hatten sich am vergangenen Samstag im Hörsaalzentrum auf dem Unicampus Westend der Frankfurter Goethe-Uni eingefunden, um an dem Symposium "Allmacht der Algorithmen? Die digitale Revolution und wie wir sie gestalten" der EKHN Stiftung teilzunehmen. In jedem zweitenJahr lädt die Stiftung zu dieser Form einer öffentlichen Debatte über aktuelle Fragen und Themen unserer Zeit ein. Nach dem Klimawandel, der Hirnforschung und der Stammzelltechnologie stand 2017 die fortschreitende Digitlaisierung aller unserer Lebensbereiche zur Disposition. Und wieder war es der EKHN Stiftung gelungen, Experten ganz unterschiedlicher Fachbereiche und Berufsbilder als Redner zu gewinnen. In ihren Vorträgen thematisierten diese daher auch ganz verschiedene Aspekte der Digitalisierung, die von der Programmierung von Algorithmen über rechtliche Fragen des Datenschutzes bis zur Verwendung religiöser Metaphern in zeitgenössischen Computerspielen reichten.