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Mathematik und Metaphysik

Er war ein origineller, unangepasster Denker und ein Mitbegründer der modernen Mathematik. Das Gießener „Mathematicum“ widmet jetzt dem Pfarrer und Mathematiker der Reformationszeit, Michael Stifel (1487-1567), eine kleine, spannende Sonderausstellung. Eröffnet wird diese nicht zufällig am 19. Oktober. An diesem Tag, so hatte Stifel berechnet, sollte im Jahr 1533 die Welt untergehen. Zu dieser Erkenntnis war der Theologe aufgrund intensiver Bibelstudien gelangt, denn Stifel war davon überzeugt, dass in der Heiligen Schrift verborgene Botschaften enthalten seien, die man mit Hilfe von Zahlen entschlüsseln könnte. Noch heute wird dieser metaphysische Rechenfehler als “einen Stifel rechnen” bezeichnet. Martin Luther hat den jungen Stifel protegiert und ihm auch eine Pfarrstelle in Österreich besorgt, wo dieser als erster protestantischer Pfarrer amtieren sollte. Später wurde Michael Stifel zum ersten Mathematik-Professor an die Universität Jena berufen. Die Mathematik verdankt ihm wesentliche Beiträge zur Herausbildung der modernen Algebra.