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PeterSteinacker

"Am Puls der Zeit"

Mehrere hundert Menschen waren am Dienstag nachmittag in die Frankfurter Katharinenkirche gekommen, um von Peter Steinacker Abschied zu nehmen. Der langjährige Kirchenpräsident der EKHN und Vorsitzende des Kuratoriums der EKHN Stiftung war am 14. April nach schwerer Krankheit gestorben. Volker Jung, der Steinacker 2008 im Amt des Kirchenpräsidenten abgelöst hatte, hielt die Predigt.

Geist und Glauben, Wissenschaft und Kirche zusammen zu bringen, sei ihm stets ein Anliegen gewesen, würdigte Ulrich Oelschläger, Präses der Kirchensynode der EKHN, den Verstorbenen. So habe er, selbst als er schon das Amt des Kirchenpräsidenten bekleidete, weiterhin Vorlesungen an der Universität gehalten. Sein besonderes Engagement aber galt dem Deutschen Evangelischen Kirchentag und der EKHN Stiftung, die auf seine Initiative hin vor zehn Jahren gegründet worden war.  „Kirche muss nahe bei den Menschen sein“ – davon war Steinacker zutiefst überzeugt. Zudem habe er als Mensch  „die Kompetenz und das Charisma“ besessen, auch diejenigen gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen, die normalerweise nicht im Blickfeld der Kirche stünden. So suchte er den Dialog und die Auseinandersetzung mit der Wirtschaft, mit Andersgläubigen, mit den Medien und mit dem Sport.  Er war es auch, der die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der EKHN durchgesetzt hatte - "Glaube am Puls der Zeit", so habe Steinacker sein Amt als Kirchenpräsident verstanden und ausgefüllt. „Wir danken Gott für den Segen, den er in Peter Steinackers Leben gelegt hat“, schloss der Präses seine Schilderung der markanten Stationen im Leben des Verstorbenen.  

Der amtierende Kirchenpräsident Volker Jung nahm in seiner Predigt Bezug auf das Losungswort des Tages: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen …“ (Joh. 17, 24-26), mit dem sich Steinacker selbst immer wieder intensiv auseinandergesetzt hatte. Herrlichkeit, so Jung, bezeichne keine „“große Lebensleistung, keine herausragende Begabung, sondern allein die Liebe Gottes“. Als Glaubender sei Steinacker davon überzeugt gewesen, dass „Gott nicht der ganz Andere“ sei. Vielmehr sah er die Aufgabe der Theologie darin, „die erfahrene Welt aufzunehmen und Gott darin zu entdecken: Welterfahrung ist Gotterfahrung und umgekehrt“, auch wenn das einem abverlange, die Widersprüchlichkeit der Welt und Gottes aushalten zu müssen. Ein Grundüberzeugung Steinackers habe daher gelautet: „Denkender Glaube ist immer auch angefochtener Glaube“, und die vielen Begegnungen mit Andersdenkenden und –gläubigen, durch die sein Leben geprägt war, hätten für ihn nur dort Substanz und Wert besessen, „wo bleibende Differenzen ausgehalten wurden“.  

In seinen letzten Lebensmonaten, die von schwerer Krankheit überschattet waren, hatte sich Steinacker intensiv mit dem „dunklen und rätselhaften Welthandeln Gottes“ beschäftigt. So schrieb er Anfang dieses Jahres in einem Text davon, dass „Gott eine dunkle, von ihm selbst nicht aufgehellte Seite“ bekomme, die im Widerspruch stehe zu „dem von ihm gesegneten Heilshandeln“. Diese Spannung könne nur im Vertrauen auf die Gottesoffenbarung in Jesus Christus ausgehalten und hoffnungsvoll gelebt werden, schloss der Kirchenpräsident seine Ansprache.

Im Anschluss sprachen Vertreter mehrerer Kirchen, darunter Kardinal Karl Lehmann (Bischof von Mainz), sehr persönliche Fürbitten. Umrahmt wurde dieser Gottesdienst von der Bach-Motette "Jesu meine Freude", gesungen vom "Concerto vokale Frankfurt" unter der Leitung von Michael Graf Münster, dem Kantor der Katharinenkirche.

Weitere Informationen und Bilder zum Gedenkgottesdienst finden Sie unter dieser Internetadresse: